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Märchen des Mittelalters
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61.DAS FLEISCHPFAND.

IN DER STADT ROM HERRSCHTE COELESTIN IN GROSSERKlugheit, und er hatte eine fchöne Toditer. Und es war dort ein Ritter, derwar zu diefem Fräulein in Liebe entbrannt/ aber er dachte bei fidi: »Es bedünktmich für unzweifelhaft, daß mir der Kaifer feine Tochter niemals zur Frau gebenwird, weil ich. deflen nicht würdig bin/ wenn ich freilich wenigftens die Liebedes Fräuleins irgendwie gewinnen könnte, fo würde mir das genügen.« Zuoften Malen ging er zu ihr, um ihren Willen zu erforfdien,- fie jedoch antwortete:»Du mühft dich vergebens. Glaubft du denn, du werdeft mich durch deine fußen,trügerifchen Worte kirren? Das wird nie und nimmer gefchehen in meiner Seele!«Sagte der Ritter: »Wenn ich dich alfo fchon nicht zur Gattin haben kann, wasmuß ich dir geben, auf daß du eine Nacht bei mir liegeft?« »Gibft du mirhundert Mark, fo darfit du eine Nacht bei mir liegen.« Und der Ritter fagte:»Dein Wille wird erfüllt werden.« Und auf der Stelle verfah er fich mit demGelde und übergab es dem Fräulein.

Als es dann Nacht geworden war, beftieg er das Bett des Fräuleins/ aberfchier augenblicklich Ichlief er ein. Und fie warf ihre Kleider ab und legte fidian feine Seite/ er jedodi lag die ganze Nacht in tiefem Schlafe. Am Morgenerhob fie fich, zog ihre Kleider an und wufch fidi die Hände/ und er wurdedurdi fie aus dem Schlafe gewedu. Und munter geworden, fagte er zu ihr:»Komm her zu mir, auf daß ich meinen Willen erfüllen kann.« Aber fie: »Beimeines Vaters Heil, das tu ich nicht. Ich tue dir kein Unrecht, Freund: biß dunicht mit mir übereingekommen, daß du eine Nacht bei mit liegen darfit?und ift das nicht gefchehen? Du aber haft die ganze Nacht verfchlafen und mirkeinerlei Troft gebracht,- fchreibe es alfo dir felber zu und nicht mir.« Über diefeWorte wurde der Ritter gar traurig, und er fagte zu ihr: »Was muß ich dirgeben, daß ich noch eine Nacht bei dir fchlafen darf?« »So viel wie diesmal,und nicht um einen Heller weniger.« Er willigte ein und verkaufte all feinebewegliche Habe und gab ihr denfelben Betrag wie vordem/ aber fiehe dasWunder: er wurde ebenfo bedient wie in der erften Nacht. Das betrübte ihnmehr, als fich glauben ließe, das Herz begann ihm zu pochen J >, und er dachte') 3 Könige, 3, 26, Genefis. 43, 3o.11*

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