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Märchen des Mittelalters
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60.ABT UND SCHÄFER.

EIN GROSSER HERR BAUTE EINMAL EIN KLOSTER, UNDals ihm dann das Geld ausging, Tagten ihm feine Räte, er folle denAbt diefes Klofters um einiges fragen und fichvon ihm, wenn er keine Antwortwiffe, ein großes Stück Geld zahlen laffen. Und die Fragen, die der Herr (teilte,waren, welche fechs nichts taugten, welche Steine die drei heften und welchedie drei fchlechteften feien, welche vier niemand halten könne und wie weitGlück und Unglück voneinander feien. Da aber der Abt nichts zu antwortenwußte, riet man ihm, den Schäfer zu fragen und Frilt zu verlangen. Das tater, und der Schäfer mußte den Abt machen.

Und als der Herr kam, faß der Schäfer in der Kutte auf dem Stuhl desAbtes und fagte: »Die fechs, die nichts taugen, find Salz fäen und Kiefelfteinemähen, aus leerem Becher trinken und einem Blinden winken, vom 1 ifche auf-ftehn mit leerem Magen und in der Mühle Harfe fchlagen.« Und er antwortete,die drei heften Steine feien der Taufftein, der Wetzffein und der Mühlftein,die drei fchlechteften der Hagelftein, der Stein im Auge und der Blafenftein.Und er antwortete, die vier, die niemand halten könne, feien die: niemandkann halten den Wolf an der Braue, den Bären an der Klaue, die Sdilangeam Zagel, den Habicht am Schnabel. Und er antwortete, Glück und Unglückfeien voneinander fo weit wie Heute und Geftern,-und um den Grund gefragt,antwortete er: »Weil ich geftern Schäfer war und heute Abt bin.« Und derHerr, der das Klofter geftiffet hatte, fagte: »So follt Ihr denn immer Abt fein.«

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