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Märchen des Mittelalters
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58.DER GLÜCKSTAG DES WOLFES.

ALS EINMAL EIN WOLF BEI TAGES ANBRUCH AUF-ftand von feinem Lager und feine fdilaffen Glieder redte, ging ihmein Furz ab/ da fagte er, von eiteler Hoffnung getäufdit: »Gott fei Dank, heutewerde ich midi an köftlicher Speife erfättigen/ das ift die Bedeutung des Lauts,den ich von mir gegeben habe.«

Wie er dann feiner Wege ging, fand er einen ganzen Schmerlaib, deretwa einem Fuhrmann entfallen war, und den Schmerlaib drehte er hin undwider und fagte: »Von dir effe ich nidit/ du könnteft mir mein Gedärm ver-ftören. Und warum follte ich auch von dir effen? Soll ich mich doch heute, wiemir mein Hinterer vorausgefagt hat, an leckerer Kofi: erlaben.«

Er ging weiter, und da fah er einen eingefalzenen, geräucherten Schinkenliegen/ auch den kehrte er hin und her, und dann fagte er: »Von dir effe ichnicht/ du würdeft mir nur Dürft machen. Warum follte ich aber auch von direffen? wo ich doch weiß, daß ich mich heute an köftlicher Speife erfättigenwerde.«

Und als er fürbaß ging, traf er eine Stute mit ihrem Füllen auf der Weide,und nun fagte er: »Gott fei Dank, ich wußte ja, heute würde ich Leckerbiffenfpeifen!« Und zu der Stute fagte er: »Fürwahr, Schwefter, ich werde deinFüllen effen.« Sagte die Stute: »Du wirft tun, was dir beliebt/ aber gefternhabe ich mir einen Dorn in den Fuß getreten, und den, bitte ich dich, follft dumir, weil du Arzt bift, herausziehen, und dann magft du das Füllen effen.«Und der Wolf ging hin zu ihrem Fuße und wollte ihr den Dorn herausziehen/fie aber fchlug ihm den Huf mitten auf die Stirn und entlief mit ihrem Füllenin den Wald. Und als der Wolf wieder zu fich kam, fagte er: »Nicht fchere ichmich um diefe Unbill/ fatt werde ich heute dennoch werden.«

Und er fchied, und da fah er auf einer Wiefe zwei Widder miteinanderkämpfen,- und er fagte: »Gott fei Dank, nun werde ich mich letzen!« Und zuden Widdern fagte er: »Wahrhaftig, Brüder, einen von euch werde ich effen.«Antwortete der eine: »Tu, wie es dir beliebt, aber vorher fprich ein rechtesUrteil zwifchen uns: diefe Wiefe ift unferer Väter gewefen, und weil wir fiejetzt nicht zu teilen verftehen, kämpfen wir um fie.« Und der Wolf fagte: »Ich

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