56.DANKBARKEIT.
EIN GAR REICHER MANN IN MAILAND, ADRIAN MITNamen, der feineToditer vermählen wollte, ging auf die Jagd. Währender durch den unwegfamen Wald dahinritt, fiel er in eine gar tiefe Grube,- dasPferd entrann und lief nach Haufe. Allenthalben fudite man ihn, fand ihn abernirgends. Erft am andern oder am dritten Tage kam ein armer Mann, dermit feinem Efel Holz fammeln wollte, um es in der Stadt zu verkaufen, beider Grube vorbei/ er hörte den Reichen fchreien und fragte ihn, wer er fei.Der antwortete: »Ich bin Adrian,- ich bitte dich, ziehe mich heraus.« Der Arme,der Mados hieß, entgegnete: »Wie könnte ich dich, allein, wie ich bin, heraus*ziehen? Habe ich doch niemand bei mir als meinen Efel.« Aber Adrian fagte:»Sammle Baft, winde ihn zufammen und madie einen Strick, der bis zu demBoden der Grube reicht.« Das tat Mados,- nun fagte Adrian: »Mach zweiHalsfchlingen, eine für didh und eine für den Efel, und ziehet felbander.«
Von ungefähr aber waren in diefe Grube auch ein Affe, ein Löwe undeine Schlange gefallen. Als nun Adrian den Fuß in den Strick fetzte und rief:»Zieh! Zieh!«, fprang ihm der Affe, der ein kluges Tier ift, kaum daß er fah,wie er hinaufgezogen wurde, auf den Kopf und klammerte fich an den Strick,-erfdireckt ließ Adrian los, und der Affe ging in die Höhe. Oben angelangt,entfloh er/ Mados aber rief, als er ihn fah: »Wehe, mein fpottet der Teufel!«Adrian verdoppelte fein Gefchrei und rief: »Fürchte dich nicht, ich bin wirklichAdrian, erbarme dich meiner! Wirf mir den Strick noch einmal herab!« Dasgefchah, aber nun tat der Löwe fo wie früher der Affe, und Adrian mußtefich wieder fallen lalfen. Kaum draußen, floh auch der Löwe, und zum dritten tatdies auch die Sdilange. Verzweifelt hielt Mados alles für Blendwerk und wolltenimmer auf Adrian hören, der immerzu fchrie und bat und alles möglicheverfprach. Schließlich aber zog er auch ihn heraus und teilte mit ihm fein Brot.
Im Abenddunkel gelangten fie in die Stadt. Der reiche Mann wurde vonfeinen Angehörigen und Freunden mit Jubel empfangen/ fchon waren auchdie Tifche gedeckt und/Iie Speifen gebracht, und alles nahm Platz zum Mahle.Nur den Armen ließen fie in einer Ecke ftehen, und auch der Hausherr fdiertefich, obwohl er ihn ftehen fah, nicht weiter um ihn,- gerade daß er einem Diener
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