54.DIE SCHUHE DES TEUFELS.
EIN DIEB HATTE EINEN DIENSTBAREN GEIST, UNDder begleitete ihn bei jedem Diebftahl, und fooft er ergriffen wurde,befreite er ihn aus dem Kerker. Dadurch wurde der Dieb fo dreift und über-mütig und vertraute auf die Hilfe des Teufels fo fehr, daß er eine MilTetatnach der andern verübte und fchier unverhohlen ftahl und mordete, und fotrieb er es eine lange Zeit.
Schließlich aber wurde er gefangen, und man führte ihn zum Hochgericht,-und er wartete, daß der Teufel gewohntermaßen kommen und ihn befreienwerde. Der Teufel kam denn auch, aber nicht eher, als bis der Dieb unter demGalgen ftand, fodaß es ihm unmöglich gewefen wäre, noch Buße zu tun oder zuentrinnen, und da erfchien er ihm, und er hatte eine Menge abgenützter undan den Sohlen zerriffener Schuhe bei fich. Und baß erfreut, fagte der Dieb zuihm: »Warum haft du fo lange verzogen und meine Befreiung hinausgefchoben ?«Da wies ihm der Teufel die vielen Paar Schuhe, die allefamt abgenützt undzerlöchert waren, und fagte: »All die Schuhe habe ich verbraucht, indem ichmit dir ging und dich immer wieder rettete, auf daß ich dich ficher machte unddich zu diefer Stunde führte und dich in eine Lage brächte, daß du nicht mehrentweichen kannlt. Das genügt mir, und ich habe dich ficher und brauche nichtmehr zu beforgen, daß ich dich verlöre.«
Und der Dieb wurde gehenkt und gab feine Seele in die Hände des Ver-fuchers, vor deffen fchlauer Bosheit und boshafter Schlauheit uns unfer HerrJefus Chriftus bewahren möge, der die Jahrhunderte der Jahrhunderte lebt
und herrfcht!
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