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Märchen des Mittelalters
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ermeffen werden kann, verzieh er dem fündigen König nicht nur alle feineSünden, fondern gab ihm auch Reich und Ehren in größerer Vollkommenheitwieder, als er fie je gehabt hatte, und das tat er fo:

Der Engel, der an die Stelle des Königs getreten war und fein Ausfehenangenommen hatte, rief einen feiner Diener und fagte zu ihm: »Ich höre, estreibt fich hier ein Narr herum, der fagt, er fei König diefes Landes gewefen,und fagt noch andre hübfche Narrheiten, und fo trachte zu erfahren, wer esift und was er fagt.« Und von ungefähr war der Diener jener Pförtner, dermit dem Könige gewefen war, als mit diefem bei dem Verlaffen des Bades jeneVeränderung gefchah. Und fo befragte ihn der Engel, den er für den Könighielt, um alles, was fich mit dem Narren zugetragen hatte, und er erzählte,wie ihm die Leute lachend und fpottend nachliefen und ihre Freude an dennärrifchen Reden hätten, die er führte. Und der König befahl ihm, den Narrenzu rufen und zu ihm zu bringen. Und als der König, der als Narr galt, zu demEngel kam, der an des Königs Statt war, ging diefer mit ihm abfeits und fagtezu ihm: »Freund, man fagt mir, Ihr fagtet, daß Ihr der König diefes Reichesfeiet und es, ich weiß nicht, durch welches Unglück und aus welchem Anlaßverloren hättet. Nun bitte ich Euch bei der Treue, die Ihr Gott fchuldet, miralles zu fagen, wie es fich nach Euerer Meinung verhält, und mir nichts zu ver»hehlen, und ich verfpreche Euch auf meine Treue, daß Euch daraus kein Schadeerwachfen wird.« Und als der arme König, der als Narr galt, jenen Mann, derals König galt, folchermaßen reden hörte, wußte er nicht zu antworten: einmalhatte er Angft, er frage ihn um diefe Dinge, um ihn zu verfpotten, und dannfürchtete er, wenn er fage, daß er der König fei, fo werde ihn der andere nochtiefer ins Unglück treiben oder ihn gar töten lallen,- und fo begann er bitterlichzu weinen und fagte mit dem Gehaben eines Unfeligen, der er ja war: »Herr,ich weiß nicht, was ich Euch auf Euere Frage antworten foll,- da mir aber derTod (o gleichgültig ift wie das Leben und ich, weiß Gott, meinen Sinn wederauf die Güter, noch auf die Ehren diefer Welt geftellt habe, fo will ich Euchnichts von dem verhehlen, was ich in meinem Herzen denke. Ich fage Euch alfo,Herr, daß ich einfehe, daß ich ein Narr bin, als den mich denn auch feit langerZeit alle Leute betrachten und behandeln, und wäre auch bei Einzelnen einIrrtum möglich, fo könnten mich doch nicht, wenn ich nicht wirklich ein Narrwäre, alle Menfchen, gute und fchledite, große und geringe, die mit großemVerltande und die mit kleinem, für einen Narren halten,- obwohl ich aber daseinfehe und obwohl ich zugebe, daß es fo ift, fo ift doch wahrhaftig meineMeinung und mein Glaube, daß ich König diefes Landes gewefen bin und daßich das Reich und Gottes Gnade gerechterweife ob meiner Sünden verloren habe

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