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Märchen des Mittelalters
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mit jenem Pförtner, vor feinem eigenen Haufe fchlimm genug ergangen, fo erginges ihm hier noch viel fchlimmer. Und fo ging er, möglichft verftohlen, zu derKönigin, feiner Gemahlin, und er war ficher, daß ihm das Übel nur gefchehenfei, weil ihn die Leute nicht erkannt hätten, und außer allem Zweifel war fürihn, daß ihn, wenn ihn auch alle Welt verkenne, die Königin, feine Gemahlin,nicht verkennen werde. Und als er vor ihr ftand, fagte er ihr, was man ihm angetanhabe, obwohl er der König fei/ die Königin aber, in hoher Angft, der König,den fie zu Haufe wußte, könnte fich, wenn er erfahre, daß fie derartige Dingeangehört habe, arg erbofen, ließ dem Narren, der fo närrifdi redete, eine TrachtStockprügel verabreichen und ihn hinauswerfen. Der unglückliche König wußtenun nicht mehr was tun, und fo ging er, wund und zerfchlagen, wie er war, inein Spittel, und dort blieb er viele Tage, und wann ihn der Hunger quälte,bettelte er an den Türen, und die Leute höhnten ihn, daß er, obwohl er derKönig des Landes fei, fo zerlumpt einhergehe.. Und fo fprachen alle Leute undfo oft und überall, daß er fchließlich fchier felber glaubte, er fei ein Narr undes fei feine Narrheit, daß er meine, der König zu fein. Und fo verftrich einelange Zeit, und bei allen, die ihn kannten, galt er als einer von jenen Narren,die fich einbilden, fie feien etwas andres oder beffers, als fie find.

In diefer jämmerlichen Lage alfo war der König, als es Gottes Milde undGüte, die immer nach dem Wohl der Sünder trachtet und fie, wie groß auchihre Schuld fein mag, auf den Weg ihrer Rettung weift, bewirkte, daß der elendeKönig, den fein Stolz in fo großes Verderben und in fo tiefe Erniedrigunggeftürzt hatte, einzufehen begann, daß das Übel, das über ihn gekommen war,feine Urfache in feiner Verfündigung und in feinem Stolze hatte und daß derfonderliche Anlaß jener Befehl gewefen war, womit er den Vers in dem Gefangeder hl. Maria in feinem Stolze und in großer Dummheit geändert hatte. Undals ihm dies klar geworden war, begann er in feinem Herzen einen folchenSchmerz und eine folche Reue zu fühlen, daß es kein Menfch auf der Weltfchildern könnte, und größer war fein Schmerz und Kummer ob der Verfehlung,die er gegen unfern Herrn begangen hatte als wegen des verlorenen Reiches,und wie fchlimm es auch um feinen Leib ftand, fo tat er doch nichts als weinenund klagen und zu dem Herrgott beten, er möge ihm feine Sünden vergeben undfeiner Seele Gnade erzeigen, und feine Sünden fchmerzten ihn fo, daß ihmnicht einfiel, Gott zu bitten, daß er ihn wieder in fein Reich und feine Ehreneinfetze, denn das erachtete er für Tand, fondern er erfehnte nichts fonft als dieVergebung feiner Sünden und das Heil feiner Seele. Und als der König durchGottes Gnade feine Sünden bereute und Gott feine Reue und feine gutenVorfätze fah, verzieh er ihm. Und weil Gottes Güte fo groß ift, daß fie nicht

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