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Märchen des Mittelalters
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Und als meinen ärgften Feind habe ich dir meine Gattin mitgebracht. ..«

Als aber die Frau Tab, daß für diefe Unbill fie vorbehalten worden war,fo rief fie fich ins Gedächtnis, welche Treue, Barmherzigkeit undMenfchlichkeitfie ihrem Gatten und ihres Gatten Vater bewiefen hatte, und wutentbrannthielt fie kaum an fich, bis er ausgesprochen hatte, und rief: »O, der elende,undankbare Menfch! Uneingedenk der Güte und des Erbarmens, die ichgegen feinen Vater, den er, anftatt daß er ihn umgebracht hätte, in einer Höhleverfteckt hält, geübt habe, (teilt er mich vor dem Könige und allem Volke alsfeinen Feind hin!«

Und der Jüngling fagte: »Siehe, o König, daß, was ich von meiner Fraugefprochen habe, die Wahrheit ift/ um eines einzigen Wörtleins willen hat fiemeinen Vater verraten und mich dem Todesurteil überantwortet. Darum hatjener große Weife feinem Sohne, den er belehrte, geheißen, fich am meiften vorder zu hüten, die in feinen Armen fchlafe 1 ), vor der Gattin nämlich oder demfalfchen Freunde. Vor dem offenkundigen Feinde hütet man fich leicht/ einerGattin aber oder eines fchmeichlerifchen Freundes kann fich niemand erwehren,weil fie mit dem Munde die innigfte Liebe vorgeben und im Herzen Bosheitfinnen.«

Und der König, der die Klugheit des Jünglings bewunderte und die Wahr«heit feiner Rede einfah, fagte, um feinen Anklägern zuvorzukommen: »Seigetroft, und lebt dein Vater noch, fo hole ihn, auf daß er nicht länger unfermFefte fehle.« Und der Greis kam, und der König fetzte ihn ob feiner unermeß»liehen Weisheit zum Vater der Stadt und Richter des Landes ein. Und in kurzerFriß ftellte der Weife Gefetz und Recht wieder her, tilgte die fchlechten Sitten,führte gute ein und rief die Uneinigen zur Eintracht zurück/ und als er ftarb,waren viele da, die dem Pfade der Tugend nachftrebten.

') Mida, 7, 5-

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