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Märchen des Mittelalters
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49.DAS MAGNIFICAT

IN EINEM LANDE, AN DESSEN NAMEN ICH MICH NICHTmehr erinnere, war einmal ein gar junger König, gar reich und gar mächtig,und er war von einem unerhörten Stolze. Und als er eines Tages jenen Lob*gelang der hl. Maria fingen hörte, der beginnt: Magniflcatanimamea dominumoder: Hoch preifet meine Seele den Herrn, geriet er bei dem Verfe, der lautet:Deposuitpotentes in secfe et exaftavit ßumifes oder: Er hat die Gewaltigenvon ihrem Sitze geftoßen und die Niedrigen erhöht, in argen Zorn, und ertrieb feinen Stolz fo weit, daß er diefen Vers in feinem ganzen Reiche aus denBüchern zu tilgen und an feine Statt diefen zu fetzen befahl: Exaftavit potentesin secfe et ßumifes posuit in terra, das ift: Er hat die Gewaltigen auf ihremSitze erhöht und die Niedrigen zu Boden geftreckt. Das mißfiel Gott fehr undwar völlig zuwider dem, was die hl. Maria in diefem Gefange gefagt hat/ dennals fie fah, daß fie die Mutter des Gottesfohnes war, den fie empfangen undgeboren hatte in unverfehrter, makellofer Jungfraufchaft, und als fie fich folcher»maßen als Herrin der Himmel und der Erde fah, fagte fie, um die Niedrig-keit und Demut über alle Tugenden zu preifen: Quia respexit ßumifitatemanciffae suae, ecce enim ex ßoc ßenedictam me dicent omnes generationes,das ift: Denn er hat angefehen die Niedrigkeit feiner Magd, und fiehe, vonnun an werden mich feiig heißen alle Gefchlechter. Dem ftolzen König abererwuchs aus feiner Tat viel Ungemachs.

Eines Tages kam ihm die Luft, ins Bad zu gehen, und er begab fich garhoffärtig mit feinem Gefolge hin,- und vor dem Eintreten entkleidete er fichund legte alle feine Kleider außen ab. Und während er im Bade war, fandteunfer Herrgott einen Engel in das Bad, und der nahm durch Gottes Macht undWillen die Geftalt des Königs an, und er ging aus dem Bade und zog dieKleider des Königs an und begab fich mit feinem ganzen Gefolge in das Schloß,-an der Tür des Bades ließ er ein paar fchmutzige Lumpen zurück, wie fie dieArmen tragen, die an den Türen um Almofen betteln. Als es dann den Königin dem Bade an der Zeit däuchte, es zu verlaffen, rief er feinen Kämmerlingenund Dienern, die mit ihm gewefen waren,- aber wie fehr er auch rief, es meldetefich niemand, weil fie alle gegangen waren in der Meinung, ihren König zu

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