Feind, wen als Knedht und wen als Spaßmacher nennen und wie er das imeinzelnen auf Befragen rechtfertigen folle.
Und als alle Fürften verfammelt waren und fchon ihre Begleitung demKönige vorgeftellt hatten, trat auch der Jüngling ein mit feinem genugfam ver-wunderlichen und von dem aller andern verfchiedenen Aufzuge und ging zudem Könige. Und da der raufchende Schall der mannigfaltigen Mufikinftrumentcallenthalben widerhallte, fpitzte der Efel als dummes Tier verdutzt die Ohrenund ftred<te den Schweif in die Höhe und begann heftig zu brällen, und feinGebräll erfdiütterte den ganzen Palaft und vereinigte alle, die da waren, umihn. Und die Feinde des Jünglings, die fidi getäufdit fahen, begannen ihre Wortein Hohn zu wenden und Tagten fpöttifch zu dem Könige, er habe da einenwackern, weifen Rat, der folche Ungetüme zu Hofe bringe. Der König aber,der ihren Worten kein Gehör fchenkte, weil er wußte, daß fie nicht ohne Abfichtfo fprachen, fragte den Jüngling, was jedes Einzelne vorftelle, und der Jünglingantwortete ihm alfo:
»Der Hund ftellt dir meinen beften Freund vor: Wohin immer ich gehe,begleitet er mich, und er fürchtet weder die Gefahren der Ströme, noch die Dolcheder Räuber, noch die Zähne des wilden Getiers, fondern verachtet um meinet^willen gar den Tod/ oft erquickt er mich und meine Tifchgenoffen mit feineredeln Beute, und nie ift er ohne mich froh, nie mit mir traurig. Wahrlich, o König,niemals habe ich einen fo treuen, lautern Freund erfinden können, und auchdir, meine ich, wird dies noch nicht gelungen fein.
Den Efel habe ich dir als meinen treueften, geduldigften Knecht mitgebracht:Allmorgendlich geht er in den Wald und kommt mit Holz beladen zurück, undift ihm das von dem Rücken genommen, fo trägt er Korn in die Mühle undbringt es gemahlen zurück, und dann geht er mit den Schläuchen zum Brunnenund holt Waffer heim/ und das tut er Tag um Tag ohne Widerftreben und ver«langt weder köftliche Kleidung, noch leckere Speife, fondern begnügt fich fürdie Plage des Tages mit ein wenig Heu und Stroh. Wo fände ich noch einenfolchen Knecht? Wahrhaftig, nirgends.
Und wie hätte ich einen belfern Spaßmacher bringen follen als meinenkleinen Sohn? Täglich kommt er mir mit neuen Spielen, und was er gefehenoder gehört hat, verflicht er nachzuahmen, madit luftige Gebärden, verftümmeltWorte, die er nicht gar ausfprechen kann, und vermag er nicht auszudrücken,was er denkt, fo tut er es mit Zeichen und Körperbewegungen kund/ in ein=unddemfelben Augenblicke ift er froh und traurig, weint und lacht, und dazubraucht er keinerlei Kunft wie andere, fondern handelt einfach unter dem Antriebder Natur und des Alters und ohne eine Belohnung zu erhoffen.
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