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Märchen des Mittelalters
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die Sache oder das Verdienft des Gerechten, und der Unfchuldige erlitt dasLos des Schuldigen,- die guten Sitten verfielen, und die Lafter wurden gleichals Tugenden gepflegt, und die Verwirrung in der Stadt und dem Lande zwangdie Untertanen, von fich und ihrem Könige zu Tagen, was einft jener Weifegefagt hat: »Wehe dem Lande, deffen König ein Kind ift und deffen Fürftenfrüh effen! 1 )«

Unterdeffen weilte jener Jüngling, der feinen Vater nicht getötet hatte, alsAdeliger an dem Hofe, und alle Dinge, die dort aufgeworfen wurden, erzählteer dem verfteckten Vater,- und der Vater gab ihm ftets die Löfung, und er kehrtein den Palaft zurüde und entfehied jede Frage nach nochmaliger, forgfamerErörterung. Da er folchermaßenTagundTagmitzunehmender Weisheit handelteund den König nach und nach auf den rechten Weg und zu ehrbarer Sittezurückführte, gewann er vor allen Edlern und Reichern feine vertraute Freund»fchaft, fodaß ihn der König zu dem oberften feiner Räte und zu dem erftenaller feiner Großen machte. Als aber die jungen Adeligen fahen, daß er überfie erhöht worden war, fie jedoch als unnütz verworfen wurden, erboften fiefich gar fehr und wurden ihm gram und begannen ihn zu halfen und dachtennur noch, weifen und wie fie ihn bezichtigen könnten. Da nun er fo an Tugendzunahm, fie aber an Bosheit, kam ihnen der Verdacht, am Ende lebe fein Vaternoch und lehre ihn diefe Weisheit. Darob murmelten fie viel untereinander,-weil fie aber doch nicht ganz ficher waren, wagten fie es nicht öffentlich zu fagen,und fo erfannen fie eine Lift, um fowohl den Vater zu verraten, als auch denSohn anzuklagen. Und fie gingen zu dem Könige und baten ihn, er folle fürfeine Fürften Feftfpiele und ein Feftmahl veranftalten und jeglichem befehlen,feinen beften Freund, feinen ärgften Feind, feinen trefflichften Spaßmacher undfeinen treueften Knecht mitzubringen. Dem Könige gefiel die Bitte/ die Felttagewurden beftimmt und die Fürften eingeladen.

Und der Jüngling ging zu feinem Vater und erzählte ihm die Neuigkeit,und der Vater erfaßte fofort den Anfchlag und fragte den Sohn, ob er Neiderhabe, und der berichtete ihm, daß er fich Mißgunft und Haß all feiner Gefellenzugezogen habe,- da fagte der Vater: »Nun weiß ich, mein Sohn, daß diefeVerordnung meinet« und deinetwegen ergangen ift und diefes Feft gefeiert wird,auf daß du, wenn du mich, als deinen beften Freund nämlich, dem Könige vor-führft, als Verächter des königlichen Gebots angeklagt werdeft. Du aber wirft,entgegen der Hoffnung deiner Neider, mich daheim (äffen und als letzter vonallen dem Könige deinen Hund, deinen Efel, deine Gattin und dein Söhnleinbringen.« Und er lehrte ihn, wen er von diefen als feinen Freund, wen als

') Eccfefiaßes, lo, 16.

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