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Märchen des Mittelalters
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feinem Weibe: »Nun gehe ich nicht mehr in den Wald,- idi bin reich'genug .an Geld und Gut, an Freunden und Sippen.« Sie aber riet ihm, doch nocheinmal hinzugehen und recht höflich Abfchied von Merlin zu nehmen.

Und als das Jahr um war, ftieg er zu Pferde und nahm zwei Knechte mit undritt in den Wald und rief: »Merlinchen!« Und die Stimme kam von einem Baumeherab, und er fragte: »Warum bift du da oben?« »Weil mich fonft dein Pferdgetreten hätte.« Und der Wicht fagte: »Merlinchen, ich nehme Abfchied: nunfchere ich mich nicht mehr um dich,- habe ich doch Geld über alle Maßen!«Antwortete die Stimme: »Ein Wicht bift du gewefen, ein Wicht follft du wiederfein. Im erften Jahre, da halt du dich vor mir verneigt und mich ehrfürchtigdeinen gnädigen Herrn genannt, im zweiten warft du fchon fo ftolz, daß du zumir nur noch Herr fagteft, und dann haft du mich mit Merlin angefpro'chen,und jetzt nennft du mich gar Merlinchen! Und ich fage dir kurz: in dir war nieTugend oder Sitte, du warft ungetreu gegen Gott und die Armen, du warftein Wicht voller Graufamkeit. Und nun werde ich dich wieder arm machen zumgerechten Lohne.«

Und der Wicht kehrte heim und verfachte nur die Drohung, an die ernicht glaubte. Aber in wenigen Tagen ftarben fein Sohn und feine Tochter,und darob grämte er fich fehr, ohne jedoch, weil er auf feinen Reichtum baute,von feinem Stolze zu lafTen. Und fein Landesherr begann einen Krieg miteinem andern und hatte große Verlufte an beweglichem Gut, und als der Kriegaus war, brauchte er, da Kiften und Kalten leer waren, Geld, und da fagteman ihm, fein Dorffchulze habe deffen genug, aber feine Art fei es nicht, mildeund gut zu fein. Und der Herr entbot ihn zu fich und heifchte taufend Pfund,und der Schulze antwortete, er habe nichts und der Herr folle das Geldanderswo verlangen. Darob erboft, nahm ihm der Herr alles, was er hatte,Geld und Gülten, fahrende und liegende Habe. Nun, da er alles verlorenhatte, die Kinder fowohl als auch fein Gut, nun fagte er fich, daß Merlindie Wahrheit gefprochen hatte, und er bejammerte fein Schidcfal, das ihm nichteinmal den Efel gelaffen hatte, deffen er zu feinem alten Handwerk bedurfte.Und er arbeitete und fparte, bis er fich einen Efel kaufen konnte, und mitdem begann er alltäglich, wie einft, in den Wald zu gehen. Und in diefcrArmut verblieb er, bis er elendiglich ftarb.

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