fo leer und ledig daherkommt?« Antwortete er: »Schilt midi nidit, Weib/ als=bald werden wir, fo es Gott beliebt, Geld genug haben, und mit der Holz»fällerei hat es ein Ende!« Und er erzählte ihr alles, und fie gingen in denGarten und gruben mit Haue und Spaten unter dem Holunderbaum, undfdiließlich fanden fie den Schatz, und da gab es eine große Freude. Und nunwaren fie reich und lebten nach ihrem Behagen/ aber Gott und die Armenliebten fie trotzdem nicht mehr als vordem. Und jetzt, wo der Mann reich war,war jedermann gut Freund mit ihm, und alle nannten ihn Vetter.
Und als ein Jahr vergangen war, ging der Bauer wieder in den Wald undzu jenem Dichicht, und er rief: »Ach, gnädiger Herr Merlin, Ihr meine einzigeHoffnung, kommt und fprecht mit mir/ ich liebe und ehre Euch von Herzen!«— Was willft du? wie gehts dir?« — »Gut, gnädiger Herr Merlin! Ihr habtmir ein großes Gut gegeben, und Weib und Kinder find trefflich genährt undgekleidet, und alltäglich wädift meine Habe.« — »So ifts recht, lieber Freund,-aber fag mir, haft du einen Wunfeh?« — »Ach, gnädiger Herr Merlin, ich wäregern Schulze meines Dorfes.« — »In fechs Wochen follft du es fein,- fei gut undfromm!« — »Taufend Dank, gnädiger Herr!« Und in fechs Wochen ward derBauer zu dem Schulzen feines Dorfes beftellt,- aber gegen die Armen, die feineVettern waren, war er eitel Verachtung und Härte und befchimpftc fie gar oft,und die Reichen, die ehrte er, als wären fie feine Vettern gewefen.
Und wieder nach einem Jahre ging er in den Wald und rief: »Herr Merlin,kommt und fprecht mit mir,- denn ich liebe Euch von Herzen.« — »Was willftdu?« — »Ich möchte Euch bitten, daß mein Sohn, der Geiftliche, den ich garfehr liebe, Bifchof von Blankenberg werde/ der Bifchof ift vorgeftern begrabenworden, und damit hätteft du mich für immer jeder Sorge entledigt.« — »Gehnur,- in fechs Wochen wird er es fein.« Und der Wicht ging heim in großerFreude, aber feinem Idilechten Wefen entfagte er nicht, und er ließ nicht abvon feiner Roheit gegen die Armen,- und fein Sohn ward Bifchof, und nunmeinte er, jeder Mühfal und jeden Kummers für immer enthoben zu fein.
Und wieder übers Jahr ging er in den Wald, und er rief: »Merlin, wo biftdu? Sprich mit mir!« Und die Stimme fagte alsbald und kurz: »Was wünfrhftdu, Mann?« — »Ich bitte dich, mache, daß meine Tochter den Sohn des Statt»halters von Aquileja zum Gatten erhält,- fie ift fchön und anmutig und klugund zu allen Leuten höflich, und es ift kein Makel an ihr.« — »In fechs Wochenfoll die Hochzeit fein,- Gott gebe dir guten Mut!« Und es gefchah, wie dieStimme gefagt hatte, und der Bauer gewann die große Verfippung. Aberobwohl er fo hoch geftiegen war, hatte er für Gott keinen Dank noch Ver»geltung, fondern prangte nur in Ruhm und Ehren, und fdiließlich fagte er zu
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