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Märchen des Mittelalters
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höchlich, woher er das Geld nehme, um diefen Aufwand zu beitraten, undals fie ihn einmal in fonderlidi guter Laune fah, fagte fie zu ihm: »Herr, vielereden vieles. Gold oder Silber halt du nicht/ wie geht es denn zu, daß es diran nichts gebricht und du überdies fo unendlich viel ausgibft?« Er antwortete:»Gott vermag mehr als Gold und Silber/ Gott ilt mächtig, mir zu geben, wasich begehre.« Sie aber fagte: »Herr, es gibt niemand, den ich mehr lieben würdeals dich. Eröffne mir doch dein Herz und fage deiner Magd die Wahrheit!«Und diefe Rede wiederholte fie des öftern, bis er endlich, ohne ihre Tücke zuahnen, fagte: »Liebfte, ich will dir die Wahrheit fagen. Mein Vater hat mirdiefen koftbaren Ring vermacht, und in ihm fteckt die Kraft, daß, wer immerihn trägt, die Gunft und die Liebe aller hat. Durch diefe Gunft erhalte ich, wasich von den Menfchen heifche/ und fo kann ich diefes adelige Leben führen.«Darauf fagte fie: »Herr, höre auf mich und tue nach meinem Rate, und eswird dich nicht gereuen. Alltäglich bift du bei Feften und unter den Leuten/da kann dir der Ring leicht abhanden kommen. Gib ihn mir aufzubewahren,und ich werde dir ihn treulich bewahren, bis du feiner bedarfft.« Und er tatnach ihren Worten und gab ihr den Ring. Und fofort begann fich die Gunftder Leute zu vermindern und zu fchwinden. Als er dies fah, verlangte er, weiles ihm an Geld gebrach, den Ring zurück, um die Gunft und Liebe der Menfchenwiederzugewinnen. Sie fagte: »Sofort.« Und fie ging in das Gemach und öffnetedie Truhe, und da fchrie fie: »Weh mir, Herr, wehe! Es waren Diebe da, undfie haben die Truhe geöffnet und den Ring genommen.« Als er dies hörte,krampften fich ihm die Eingeweide zufammen, und er weinte bitterlich.

Auf der Stelle reifte er zu der Kaiferin, feiner Mutter, und vermeldet ihrdie Gefchichte mit dem Ringe. Und fie fagte: »Ach, mein Sohn, habe ich dirnicht vorhergefagt, du folleft dich vor dem Weibe in acht nehmen? Diefes Weibhat dich betrogen. Hier übergebe ich dir die Spange/ hüte fie forgfam, weil du,wenn du fie verlöreft, Ehre und Nutzen für immer einbüßen würdeft.« Under nahm die Spange und begab fich zurück auf die Schule. Und fiehe, am Stadttorkam ihm fein Liebchen entgegen und empfing ihn mit Freuden, und er nahmfie wieder zu fich. Wie früher (teilte er Fefte an und gab Gefchenke, fo daßdie ganze Stadt davon fprach. Das Mädchen wunderte fich wieder, woher erdas alles nehme, da fie doch nichts bei ihm fah. Und als er eines Tages volldes Weines und luftig war, fagte fie: »Herr, du Halbfcheid meiner Seele, einekleine Frage habe ich an didi, und nicht verheimliche es deiner Magd. Du gibftein Mahl nach dem andern, und doch haft du, foviel ich fehe, nichts/ fag alfodeiner Magd, wie das fein kann.« Er antwortete: »Ich fage es dir nicht. Einmalhabe ich dir mein Geheimnis gefagt, und du haft mir den Ring verloren/ darum

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