44.RING, SPANGE UND TEPPICH.
DARIUS HERRSCHTE IN ROM MIT HOHER KLUGHEIT,und er hatte drei Söhne, die er herzlich liebte. Als es mit ihm ans Sterbenging, vermachte er feinem erftgeborenen Sohn das ganze Erbteil, das einft ihmfein Vater hinterlaffen hatte, dem zweiten gab er alles, was er in feiner Zeiterworben hatte, und dem dritten Sohne gab er drei Kleinode, einen Ring, eineSpange und einen koftbaren Teppich. Der Ring hatte die Kraft, daß, wer immerihn am Finger trug, die Gunft aller Leute hatte und durch diefe Gunft alles,was er von ihnen heifchte, bekam, die Spange hatte die Kraft, daß, wer immerfie an der Bruft trug, alles nur Mögliche erhielt, was fein Herz begehrte, undder Teppich hatte die Kraft, daß, wer immer auf ihm faß und bei fich dachte,daß er irgendwo in der Welt zu fein wünfchte, in demfelben Augenblicke dortwar. Und als der Kaifer diefe drei Kleinode, die Virgil durch Zauberkunftverfertigt hatte, feinem jüngften Sohne gab, fagte er: »Teuerfter Jonathas, dubift mein jüngfter Sohn, und ich gebe dir diefe drei Dinge, damit du die Willen-fchaft betreibeft, und fonft bekommft du kein Erbteil/ deine Mutter wird fiedir verwahren, und wenn du ihrer bedarfft, fo wird fie dir eines nach dem anderngeben.« Dies gefagt, kehrte er fich zur Wand und gab feinen Geilt auf. SeineSöhne beftatteten ihn mit allen Ehren. Dann nahmen die zwei altern ihreVermächtniffe in Befitz, der dritte aber bat feine Mutter um den Ring, mit demer fich auf die Hohe Schule begeben wollte. Die Mutter fagte: »Den Ring gebeich dir, auf daß du dein Bemühen darauf richteft, dir Willen zu erwerben, hütedich nur vor dem Weibe, damit du nicht etwa den Ring verlierelt.«
Jonathas nahm den Ring und begab fich auf die Hohe Schule, und erbegann fie eifrig zu befuchen und fich Wiffen anzueignen. Eines Tages aberbegegnete er auf der Straße einem Mädchen, genugfam fchön und anmutig,und kaum hatte er fie gefehen, fo fing er fich in ihren Augen, und er nahm fiemit und behielt fie öffentlich bei fich und liebte fie wunderfam. Und er machteGebrauch von dem Ringe an feinem Finger und gewann durch ihn die Gunftund die Liebe aller, fo daß er alles erhielt, was er begehrte, und er (teilteGaftmähler an und gab Gefchenke, und das alles durch die Kraß des Ringes.Sein Liebchen aber, die weder Gold noch Silber bei ihm fah, wunderte fich
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