Eines Abends fpeifte er bei feiner Sdiwefter und ihrem Gatten, und aufden Tifdi wurden drei Rebhähne gefetzt, deren einer gar mager war. Und feinSchwager Tagte zu ihm: »Bruder, teilt doch die Hähne gleichmäßig unter unsdrei.« Da nahm der Scholar den magern und gab ihn der Sdiwefter und demSchwager, und fich behielt er die zwei feiften, und er fagte: »Das ift gleichmäßiggeteilt: Ihr feid zwei Feifte und ein Magerer, und auf meiner Seite find auchzwei Feifte und ein Magerer.« Er war nämlich auf der Schule abgemagert.
Diefer fein Scharffinn machte feinem Schwager viel Unruhe, und zu mehrernMalen verfuchte ihn der Schwager, weil er fich von ihm eines Unheils verfah,zu töten. Da dies aber die Sdiwefter ftets verhinderte, fo führte er ihn, um ihnzu verderben, an den Hof des Kai fers,- denn dort galt das Gefetz, daß gegenjedermann, der bei Tifche auf feinem Teller ein Stück Fleifch umwandte, derTodesfpruch gefällt wurde, und von diefem Gefetze fagte er dem Scholarennichts. Und der wandte fein Stück um, und fo war fein Leben verwirkt,- daswar ob feines Sdiarffinns gar vielen leid, unter ihnen auch dem Kaifer. Undder gewährte ihm die Gnade, daß er erft in drei Tagen zu fterben brauche unddaß ihm an jedem diefer drei Tage eine Bitte, die er ausfprechen werde,gewährt fei.
Am erften Tage bat er, ihn feierlich zu krönen wie den Kaifer und ihmjedeFeier und Luft zu bereiten, die bei derKaiferkrönung üblich fei. Am zweitenTage bat er, ihm die Tochter des Kaifers zu vermählen. Und am dritten Tagebat er, daß allen, die gefehen hätten, wie er das Stück Fleifch umgewandt habe,die Augen ausgeriffen und ihm gegeben würden. Da fand fich niemand, derdas hätte bezeugen wollen, und fo war er frei. Und der Kaifer, der alfo feineWeisheit erfahren hatte, gab ihm nun feine Tochter wirklich. Und nach kurzerZeit, da er fchon hoch in Gnaden ftand, forderte er das Urteil gegen feinenSchwager, der ihn ohne Warnung in Todesgefahr gebracht hatte, und der wurde
gehenkt.
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