40.GERECHTIGKEITIN ROM.
EIN SCHOLAR KAM NACH ROM, UM SEINE SCHWESTERzu befuchen, die die Gattin des kaiferlichenScnefchalls war. Und Schwagerund Schwefter belehrten ihn, wie auch fchon andere auf dem Wege und in derStadt getan hatten, daß die Leute dort voller Trug und Bosheit feien, undwarnten ihn, das Haus ohne Zeugen und Hüter zu verlalTen.
Eines Tages ging er trotzdem aus, und von ungefähr fchnitt er untermGehen mit einem Melier Ruten. Zwei Männer gingen vorbei, und kaum fahenfie ihn, fo behaupteten fie auch fchon, das Meffer gehöre einem von ihnen, undfie fchleppten ihn vor Gericht. Er wurde verhört, und da fagte er: »Es ift fchonmöglich 1 ), daß das Meffer Eigenrum eines von ihnen ift, aber ich will Eucherzählen, wie ich es gefunden habe. Geftern bin ich mit meinem Vater in einemWalde gewefen, und plötzlich ftürzten fich Räuber auf uns, und ich entfloh inder Meinung, der Vater folge mir/ dann fah ich, daß er nicht da war, und foging ich zurück, und da fand ich ihn als Leiche, und in feinem Leibe ftak diefesMeffer.« Durch diefe Gefchichte ging er frei aus/ feine Widerfacher aber wurdenverurteilt.
Wieder einmal ging er müßigen Sinnes weg,- fein Blick fiel auf einen lieb»liehen Knaben, den feine Wärterin auf dem Arme trug, und er betrachtete ihnaufmerkfam. »Wahrhaftig,« fagtedie Wärterin, »Ihr habt recht, Euch den Knabengut anzufehen/ habt doch Ihr ihn mir gemacht, und nun nähre ich ihn fchon dreiJahre lang, und Ihr habt noch keinen Kreuzer hergegeben.« Und fie zog ihnvor Gericht. Und beim Verhör erklärte der Scholar, er beftreite nicht, daß derKnabe fein fei / und weil fie ihn drei Jahre ernährt habe, er jetzt aber der Mutternicht mehr bedürfe, fo wolle für die nächften drei Jahre er ihn zu fich nehmen.In diefem Sinne fällten auch die Riditer, die fein gewandtes Wefcn bewunderten,das Urteil. Als aber das Weib den Spruch hörte, fagte fie, der Knabe fei derSohn desunddes Bürgers, für den fie ihn aufziehe. Dies ftellte fich als wahrheraus, und fo wurde fie verurteilt, während der Scholar durch feine Schlauheitloskam.
>> 1<£ fireicfje im Texte das non, vietTeidit gefrört an feine Stelle ein ßene oder etwasAfrnficßes.
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