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Märchen des Mittelalters
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das, was du mir gefagt, niemand, der dich darum bittet, mitzuteilen, du hätteftdenn vorher hundermal mein Antlitz gefehen.« Und fo ließ er das Verbot vonfeinem Schreiber fchriftlich ausfertigen. Der Schmied empfahl fich und ging nachHaufe und wieder an feine Arbeit.

Eines Tages wandelte dem Kaifer die Luft an, feine Weifen zu verbuchen,ob fie in der Sache des Schmieds Befcheid willen würden, nämlich was es füreine Bewandtnis damit hatte, daß er fagte, zwölf Kreuzer verfchenke er, zwölfgebe er zurück, zwölf werfe er weg und zwölf verwende er, und er befchicktefie und fagte ihnen die Frage. Die Weifen erbaten eine Frift von acht Tagen,und die gewährte er ihnen. Bald hatten fie herausgebracht, daß dahinter derSchmied Treckte, der beim Kaifer gewefen war, aber dieLöfung fand keiner vonihnen. Darum erkundeten fie, wo er häufte, und gingen insgeheim hin undfragten ihn. Er weigerte fich, ihnen etwas zu fagen, und fo boten fie ihm Geld.Damit war er einverftanden und fagte: »Da ihr es durchaus von mir wilfenwollt, fo geht und bringt mir alle miteinander hundert Goldftücke/ tut ihr dasnicht, fo werdet ihr es auf keinerlei Weife erfahren.« Die Weifen, die fahen,daß fie anders nichts erreichen würden, und auch Angft hatten, die ihnen gefetzteFrift zu überfchreiren, gaben ihm die geforderte Zahl von Goldftücken. Undder Schmied betrachtete jedes einzelne genau, wie auf der einen Seite der Kopfdes Kailers eingeprägt und herausgearbeitet war, während die andere den Kaiferauf dem Throne fitzend oder zu Pferde in voller Rüftung darftellte, und nach»dem er fie allefamt genau angefehen hatte, fagte er den Weifen alles fo, wieer es vordem dem Kaifer gefagt hatte. Dann gingen fie.

Als die acht Tage verftridien waren, befchied fie der Kaifer wieder zufich, auf daß fie ihm die Frage beantworteten, die er ihnen geftellt hatte, unddie Weifen fagten ihm die vollftändige Löfung. Verwundert und neugierig, wiefie fie herausgebracht hätten, fchickte er fogleich um den Schmied/ und in feinemHerzen fagte er: »Jetzt wird er mir fein Treiben ordentlich bezahlen: ich weißrecht gut, daß fie ihm entweder fo lange gefchmeichelt oder fo lange gedrohthaben, bis er es ihnen gefagt hat, und anders kann es nicht fein,- mit ihremeigenen Verftande hätten fie es nimmer herausgefunden. Damit hat er fich nichtsGutes getan.«

Der Schmied kam, und der Kaifer fagte zu ihm: »Meifter, ich glaube, duhaft meinen Geboten allzufehr zuwidergehandelt: du halt verraten, was ichdir geheimzuhalten befohlen hatte, und das wirft du bitter bezahlen muffen.«Aber der Meifter fagte: »Herr, Ihr feid Herr, nicht nur mit mir, fondern mitaller Welt zu tun, was Euch gefällt, und darum befolge ich Euere Gebote alsdie meines teuern Vaters und Herrn. WifTet denn, ich meine nicht im geringften

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