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Märchen des Mittelalters
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Dies gehört, war der Kali erft recht zufrieden, fie eingeladen zu haben, weiler dachte: Sie werden über das Kleinod ftreiten, und ich werde hören, wasfie fagen, und fo einen guten Spruch fällen können/ und er befchloß, ihnen einGemach anzuweifen, in deffen Mitte eine hohle Säule war, und in die wollte ereingehen, um fo, felber ungefehen, alles, was fie reden und tun würden, zufehen und zu hören. Und wie befchloffen, fo tat er und ließ ihnen jenes Gemachmit aller Notdurft einrichten. Und als die Stunde des Abendeffens gekommenwar und die Brüder zu Tifche faßen, kam Manaffe, dem es auffiel, daß die Säulemitten im Gemache keinen notwendigen Zweck hatte, zu der Vermutung, derKali habe fie madien lallen, um Zeuge fein zu können, was in dem Gemachegefchehe, und er ftecke jetzt, wie es auch der Fall war, darinnen. Unter demElfen aber fagte Arduigi: »Brüder, das Fleifch, das uns der Kali hat vorfetzenlaffen, ift von einem Tiere, das mit Hundemilch gefäugt worden ift.« Die Brüderfagten: »Woran merkft du das?« Und er antwortete: »Ich merke es fehr wohl.«Über diefe Rede begann der Kali zu lachen, und er freute fich, daß er nochmehr diefer Art zu hören bekommen werde. Nach einer Weile fagte Skandaleo:»Brüder, ich finde, der Wein, den uns der Kali gegeben hat, ftammt von einemBegräbnisplatze.« Die Brüder fagten: »Du haft wirklich einen feinen Ge-fchmack.« Der Kali aber fagte bei fich: »Die haben gar fonderbare Einfälle,-aber wenn ich weiter horche, werde ich wohl auch etwas von ihrem Streitevernehmen.« Nun entfchloß fich auch Manaffe, feine Gedanken zu offenbaren,und er fagte: »Brüder, ihr habt der eine von dem Fleifche, der andere von demWeine gefprochen, aber ich will euch fagen, daß der Kali, der uns eingeladenund bewirtet hat, ein Bankert ift.« Die Brüder fagten: »Schlecht fprichft du/und woher willft du das wiffen?« Und er antwortete: »Ich weiß es fehr wohl.«Der Kali hatte nicht fobald fagen hören, er fei ein Bankert, als er befchloß,allem nachzugehen. Und er verließ das Verfteck in der Säule und fchickte umfeinen Senefchall und fragte ihn: »Was für Fleifch war das, das du den Fremdengegeben haft?« Der Senefchall antwortete: »Es war von einem Lamme, dasuns unfer Nachbar Nieri gefchenkt hat.« Der Kali fchickte fofort um diefen Nieriund erkundigte fich um das Lamm, und der anwortete: »Ich hatte ein trächtigesSchaf, und das ging ein, als es ein Lamm warf/ und da eben eine Hündin vonmir Junge bekommen hatte, fo ließ ich das Lamm mit der Milch diefer Hündinaufziehen.« Dies gehört, glaubte es der Kali fchon, daß er ein Bankert fei, fchickteaber noch um den Kellermeifter und fragte ihn, was für einen Wein er denFremden gegeben habe/ der antwortete: »Von dem Weinberg beim Begräbnis-orte.« Nun, nachdem fich die Reden von zweien beftätigt hatten, war der Kalidurchaus ficher, ein Bankert zu fein, und er ließ feine Mutter rufen und fragte

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