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Märchen des Mittelalters
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fie, weffen Sohn er fei. Sie fagte: »Du bift der Sohn des alten Kali.« Er abererwiderte: »Wahrhaftig, der bin ich nicht! Sagt es auf der Stelle!« Und dieMutter fagte: »Nun, in Wahrheit bift du ein Sohn des Grafen von Ragufa.« »Dann bin ich alfo ein Bankert?« »Ja.«

Und der Kali ging in fein Gemach und legte fich zur Ruhe, aber die Nachtfchien ihm taufend Jahre zu währen, und als die Sonne aufgegangen war, entboter die drei Brüder. Er fragte den älteften, was er bei dem Effen über das Fleifchgefagt habe, und Arduigi antwortete, er habe gefagt, das Fleifch fei von einemTiere, das mit Hundsmilch aufgezogen worden fei, und der Kali fragte: »Woranhaft du das erkannt?« Arduigi antwortete: »Von einem folchen Fleifch wirdman nie fatt, und da ich fah, daß ich faft allein ein Lamm aufgegeffen hatte, fofchloß ich das.« Der Kali fagte: »Du haft die Wahrheit gefprochen.« Und erfagte weiter: »Und du, wie bift du dazu gekommen, das von dem Weine zufagen?« Skandaleo antwortete: »Herr, wir Leute vom Don haben gute Köpfe,und daß der Wein von einem Begräbnisorte ftamme, habe ich gefdiloffen, weilder Menfchenleib fchwer ift und den Kopf fchwer und trüb macht.« Und derKali fagte: »So ift es.« Und zu Manaffe fagte er: »Und du, der du gefagt haft,ich fei ein Bankert, welche Wiffenfchaft haft du gelernt, daß du Dinge, die vordeiner Geburt vorgefallen find, wiffen kannft?« ManafTe antwortete: »Wenndu es geftatteft, werde ich es fagen.« »Ich geftatte es.« »Da ich dafür hielt,du habeft dich verborgen, um uns zu beobachten und zu belaufchen, fo erachteteich, du muffelt, weil das nicht die Art eines guten Mannes, fondern eines Bankertsift, ein Bankert fein, und diefe Rede bitte ich dich mir zu verzeihen.« Und derKali fagte: »Wahrhaftig, euere Urteile waren allefamt richtig, aber damit icheuch eine gute Löfung euerer Frage geben kann, will ich euch, bevor ich daraufeingehe, ein Beifpiel fagen und euch um etwas fragen.« Und er fagte:

»Ein wunderfchönes Jungfräulein, die Tochter eines edeln Grafen undeinem edeln Herrn verlobt, hat durch ein Land zu reifen, das drei Jünglingen,wie ihr feid, gehört, und jeder von den dreien ift mächtig genug, fie aufzugreifen.Wenn nun du, Arduigi, der erfte Herr dort wäreft, wo das Fräulein mit ihremGeleite auf dem Wege zu ihrem Gatten ziehen müßte, und fie käme in deinGebiet und deine Diener brächten fie vor dich: was würdeft du mit ihr tun?Und du Skandaleo, wenn fie auf deinem Gebiete von deinen Reifigen ergriffenund in deine Macht gegeben worden wäre: was würdeft du mit ihr tun? Unddu, Manaffe, wenn diefes fchöne Weib, die noch Jungfrau ift, dir zugeführtwürde und du hätteft alle Gewalt über fie, fo frage ich dich, was du täteft.«Arduigi antwortete, er würde die Jungfrau durch fein ganzes Gebiet ficher undohne Unbill geleiten laffen und würde es nicht dulden, daß ihr andere etwas

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