werde.« Der Herr tat nach ihrem Rate, und am neunten Tage, wie es der Sklavegefagt hatte, ftürzte der Turm von Grund auf ein, und es blieb nur ein riefigerTrümmerhaufen,- darob wurde der Herr gar zornig bei fidi, und fagen tat er,er fei wohl der unfeligfte Herr auf der Welt und wilfe doch keinen Grund,warum ihm das gefchehen fei.
Und wieder eines Tages fah er in feinem Palafte einen Vogel heranfliegen,und der ließ fich nahe bei ihm nieder und fang gar lieblich. Und der Herr, derden Sklaven bei fidi hatte, fprach und begann damit, Gott um gute Nachrichtenzu bitten, um belfere, als er bisher vernommen, wobei er fich freilich erinnerte,daß ihm der Sklave fchon mit dem Gelde, das aus dem Verkauf des Hengftes ein-gegangen war, feinen Kaufpreis reichlich abgeftattet hatte/ und folcherart einiger*maßen getröftet, fragte er den Sklaven, was der Vogel gefungen habe. Undder Sklave wollte es nicht fagen, weil ihn däuchte, es fei eine gar fchlimmeKunde für feinen Herrn. Der aber beftand darauf, es zu erfahren, und derSklave fagte: »Wilfet, Herr, um Euertwillen wird mir allzu fchwer ums Herz,da ich Dinge fagen müßte, woran Ihr keine Freude hättet. Der Vogel hat voneinem großen Ungfüdc in Euerm Haufe gefprochen.« Der Herr wurde nur nochzorniger, da er fah, wie er ihn mit Worten hinhielt, und befahl ihm bei Strafean Leib und Leben, augenblicklich alles zu fagen. Und der Sklave fagte: »Daes denn Euer Wille ift, fo beliebe es Euch, mit mir abfeits zu gehen.« Und fiegingen hinein in das Gemach, und der Sklave fagte: »Herr, ich bin ganz inEuerer Macht, und Ihr mögt mit mir als Euerm Sklaven verfahren/ bei Eudilieht es, mir das Leben oder den Tod zu geben. WifTet denn, daß mir der Vogelin feinem Gefange bedeutet hat, daß Ihr Euern Sohn auf diefer Welt nicht mehrlebendig fehen werdet. Auf der Jagd hat ereinemHirfchenachgefetzt undifteinenAbgrund hinabgeftürzt und hat fich zu Tode gefallen, und Euere Diener, diebei ihm waren, bringen ihn Euch als Leiche heim.« Dies gehört, fühlte fich derHerr als der unfeligfte Menfch auf der Welt, und er wehklagte über fein großesLeid. Und die Leute kamen gelaufen, und als fie erfuhren, was gefchehen war,vereinten fie ihre Klagen mit den feinen, und fie gingen dem Sohne entgegen,der als Leiche von der Jagd heimgebracht wurde, und als fie zu ihm gekommenwaren, weinte alles um des Vaters und des Sohnes willen. Und die Trauer wargroß in dem ganzen Reiche, und jedermann war tiefbekümmert. Und der Herrließ feinen Sohn in hohen Ehren, wie fie ihm ziemten, und in großer Trauerbeitatten.
Nachdem er fich aber in feinem Kummer einigermaßen beruhigt hatte,bedachte er, wie oft ihn Gott heimgefucht hatte und wie bei allem gleichfamAbhilfe hatte gefchaffen werden können, nur nicht bei dem Tode. Und da
95