29.DER RÄUBER UND SEINE SÖHNE.
ES WAR EINMAL EIN WEIT UND BREIT BERUFENERRäuber, der hatte fich, um durch Diebftahl, Plünderung und Mord Reich-tümer zu fammeln, mit vielen zufammengetan, die diefem fchlediten, verkehrtenWege nachftrebren, und als ihr Hauptmann fchlug er feine Wohnung nicht inden Mauern der Stadt oder hinter den Gräben der Burgen auf, fondern inEinöden, Grüften und Höhlen der Berge und in dem dunklen Dickicht derWälder/ und bei Tag und bei Nacht lauerte er mit feinen Gefellen an fchwie-rigen Übergängen der königlichen Straßen, und wer ihm, wie es das Verhängniswollte, in die Hände fiel, dem raubte er, wes Standes oder Gefchlechts erauch war, erbarmungslos Gut und Leben. In folcher Bosheit verbrachte er feinLeben bis auf feine alten Tage/ als er aber dermaßen eine ungeheuere MengeGoldes und Silbers errafft hatte, entfagte er endlich in der Erkenntnis, daßkeine Tat unbeftraft und kein Geheimnis verborgen bleibt 1 ) und daß die aufUnbill gegründete Macht nicht allzu lang in Bosheit prangen 2 ) kann, seinemfchlimmen Wandel, um den Reft feines Lebens in Ehrbarkeit und Tugend-übung zu verbringen. Und männiglich wunderte fich, daß der Mohr feine Hautgewechfelt und der bunte Panter die bunten Flecken abgetan hatte 3 ).
Und als er dann gar alt und fchwach geworden war, wollte er die dreiSöhne, die ihm feine Gattin geboren hatte, einen ehrlichem Beruf als denfeinigen lernen laffen, und er fchlug ihnen allerlei Handwerk und Hantierungvorundließ ihnen die Freiheitder Wahl, und jeder follte ein Drittel feines Gutserhalten. Sie hielten Rat miteinander, und dann gaben fie einftimmig die Ant-wort, fie wollten kein andres Handwerk treiben als das, womit der Vaterfich und fie ernährt hatte. Der Vater aber fagte: »Da es denn euereinftimmigerWunfeh ift, von der Ehrlichkeit und dem fieberen Wege abzugehen und denUnglücksweg einzufchlagen, der in Gefahr und Verderben führt und auf demes keine Umkehr gibt, fo mag es mit euerer Wahl fein Bewenden haben, undihr mögt in Lebensgefahr und bei Sommerhitze und Winterfroft nach neuen
') Matthäus, lo, 26. 2 > Jereimä, 11, 1 5. 3 ) Jeremia, 13, 23, vgf. aueß eine Steifein der erfien Strafrede für Kaiferjufian von Gregor von Nazianz (Migne, Patr.graeca,XXXIV, 584), Hadrin Junius üßerfetzt fie: »L/t pantßera versieufor macidas nonamittit, nee Aetfiiops coforem mutat. . .« AJagia, 1643, 389).
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