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Märchen des Mittelalters
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Reichtümern trachten/ 'denn von den meinigen bekommt ihr keiner auch nureinen Grofchen. Immerhin follt ihr bedenken, daß nur wenigen, die diefenWegbefchreiten, ein glüddicher Ausgang befchieden ift.« DieSöhne aber verachtetendie väterlichen Ermahnungen und wollten gleich in der folgenden Nacht dasPferd der Königin ftehlen, das einen unermeßlichen Wert hatte, und dasmachten fie fo:

Da fie gehört hatten, das Pferd verfdimähe jedes Futter außer Roßwicke,fo fammelten fie von diefem Gräfe ein Bündel, und darein Reckten fie denjüngften von ihnen, und das Bündel trugen fie gegen Abend auf den Markt,um es feil zu halten. Und der Stallmeifter der Königin, der in gewohnterWeife auf den Markt ging, kaufte es und trug es auf den Schultern in denStall und legte es dem Pferde in die Krippe,- dann verfdiloß er die Tür undging fchlafen.Und um Mitternacht, wo alle Sterblichen in tiefftem Schlaf liegen,machte fich der, der im grünen Gräfe lauerte '>, los, legte dem Pferde den goldenenZaum an, behängte es mit der feidenen Dedte und verfall es mit dem Sattelund dem Bruftriemen und dem ganzen Gefchirr, das aus dem lauterften Goldewar,- und die Schellen aus demfelben Metall, die herabhingen, verftopfte er,auf daß fie keinen Klang gäben, mit Wachs. Dann öffnete er die Tür, beftiegdas Pferd und fchlug in fcharfem Trab den Weg ein zu dem Orte, wohin ihndie Brüder befchieden hatten. Aber der Anfang des Diebshandwerkes gelangihm nicht wohl/ denn die Stadtwächter fahen ihn, und fie verfolgten ihn, und andem vorbcftimmten Orte angelangt, wurde er famt feinen Brüdern ergriffen.Am Morgen wurden fie dann alle drei vor die Königin geführt, und als diefah, daß fie gar weidliche Gefeilen waren, und hörte, fie feien die Söhne jeneseinft berühmten Räubers, der ihr ein Freund war, fo ließ fie fie zurück in denKerker führen und fchidrte um den Vater. Und der kam, und die Königin fragteihn, ob er feine Söhne löfen wolle/ er aber Tagte, nicht einen Pfennig wolle eran fie wenden. Da fagte die Königin: »Erzähle mir die ärgften Abenteuer, diedir bei der Räuberei zugeftoßen find, und ich will dir die Söhne in Freiheitzurüdtgeben.« Und der alte Räuber fagte: »Wenn es, um mit dem Dichter zuIprechen, leicht ift,Worte zu verlieren, und gering nur der Schade 2 ), fo erachte iches für viel leichter, mit Worten zu gewinnen. Vernimm denn, o Königin, fürdein Verfprechen die Abenteuer, die mir am meiften Schredtcn gebracht haben.

Wir hatten einmal gehört, daß ein Riefe, der viel Taufende Mark Goldesund Silbers befaß, etwa zwanzig Meilen hinter der letzten Siedelung derMenfchen in einer Einöde lebe. Da taten wir uns in Geldgier unfer hundertRäuber zufammen, und unter großer Mühfal gelangten wir zu feiner Behaufung/

') Virgir, Georgien, IV, 457f. 2> Ovid, Her., VII, 6.

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