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Märchen des Mittelalters
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weiß es ganz ficher: wenn er meine Tochter heiratet, fo wird dies entwederfein Tod fein oder doch ein foiches Leben, daß er ihm den Tod vorzöge.Glaubt aber nicht etwa, ich Tagte das, um Euere Wünfche abzulehnen/ nein,wenn Ihr das Mädchen durchaus haben wollt, fo gebe ich es Euerm Sohneebenfo gern wie jedem andern, |der es mir abnimmt.« Und der Vater desJünglings fagte, er danke ihm von Herzen für feine Worte, bitte ihn aber, dafein Sohn diefe Heirat wünfche, nochmals um feine Einwilligung. Und foging die Heirat vor fich, und die Neuvermählte wurde in das Haus ihres Gattengeführt. Und bei den Mauren befteht der Brauch, daß den neuen Eheleutenein Abendeffen bereitet und der Tifch hingeftellt wird und daß man fie bis zumMorgen allein läßt. [Auch jetzt tat man fo,- aber die Väter und die Mütterund die Verwandten des Paares waren in großer Sorge, da fie meinten, fiewürden den jungen Ehemann am Morgen tot oder übel zugerichtet finden.

Als nun die beiden allein im Haufe waren, fetzten fie fich zu Tifche.Bevor aber noch die junge Frau hätte einWörtlein reden können, fchau te ihr Gatterund um den Tifch, und da fah er feinen Hund, und zu dem fagte er, einiger»maßen heftig: »Hund, bring uns Waffer für die Hände!« Und der Hund tates nicht. Und er begann zu ergrimmen und fagte ihm noch heftigerer folledochWaffer bringen. Und der Hund tat es nicht. Und als er fah, daß er es nichttat, fprang er, arg erboft, vom Tifche auf und packte fein Schwert und ging aufden Hund los. Der nahm, als er ihn kommen fah, Reißaus, und er ihm nach,und beide fetzten über Kiffen und Tifch und Feuer, bis er ihn endlich hatte,und nun fdilug er ihm den Kopf und alle Viere ab und hieb ihn in Stücke,fo daß das ganze Haus und der ganze Tifch und die Kiffen mit Blut befudeltwaren.

Dergeftalt grimmig und voller Blut, kam er zurück, um fich zu Tifche zufetzen, und wieder blickte er herum, und da fah er einen Kater,- und auch demfagte er,er folle Waffer bringen. Und da es der Kater nicht tat, fagte er: »Was,du elender Nichtsnutz, haft du nicht gefehen, was ich dem Hunde getan habe,weil er fich um meine Befehle nicht fcherte? Wahrhaftig, bleibft du auch nureinen Augenblick noch widerfpenftig, fo geht es dir wie dem Hunde!« Undder Kater gehorchte nicht/ ift er es doch ebenfowenig wie der Hund gewohnt,Waffer zu bringen. Und weil jener nicht gehorchte, fo fprang er auf und packteihn bei den Pfoten und fchleuderte ihn an die Wand und zerfchmetterte ihnwohl zu hundert Stücken, und gegen ihn fchien er noch grimmiger zu fein alsgegen den Hund.

Und in diefem Zorn und Grimm und mit drohendem Gehaben kam erwieder zu Tifche, und wieder blickte er nach allen Seiten. Und die Frau, die

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