24.DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG.
IN EINER MAURISCHEN STADT LEBTE EIN BIEDERMANN,der hatte einen Sohn, und das war der befte Junge, den es nur gebenkonnte, aber nicht fo reich, daß er fo Vieles und fo Großes hätte aufteilenkönnen, wie es ihm fein Sinn eingegeben hätte,- und weil er zu dem gutenWillen nicht auch das Vermögen hatte, war er in großer Betrübnis. Und inderfelbigen Stadt lebte ein anderer Mann, viel geehrter und reicher als feinVater, und der hatte eine einzige Tochter/ die war gerade das Widerfpieljenes Jünglings: fo fchöne Sitten diefer hatte, fo fchlecht und verkehrt warendie ihrigen, und kein Menfch auf der Welt trug ein Verlangen, fich mit diefemTeufel zu verheiraten.
Der gute Jüngling trat eines Tages vor feinen Vater und fagte, er wiffewohl, daß er nicht fo viel Geld habe, daß er ihm die Mittel zu einem ehren-vollen Leben geben könnte/ da ihm alfo nichts andres übrig bleibe, als einarmfeliges, elendes Leben zu führen oder außer Landes zu gehen, fo dünkees ihn, wenn er den väterlichen Beifall erhalte, am heften, es mit irgendeinerHeirat zu verfuchen, die ihm vorwärts helfen könnte. Und der Vater fagte,damit fei er durchaus einverftanden, wenn er eine Verbindung finde, die ihmzufage. Darauf fagte der Sohn, der Vater möge fich darum annehmen, daßihm jener Biedermann feine Tochter zur Frau gebe. Dies gehört, verwundertefich der Vater baß, und er fagte, wie er nur an fo etwas denken könne/ gebe esdoch keinen Menfchen auf der Welt, der fie kenne, der fie, und fei er noch foarm, heiraten wollte. DerSohn aber fagte, er wäre glüddich, wenn diefeHeiratzuftande käme, und drang fo lange in den Vater, bis diefer, fo feltfam ihmauch die Gefchichte vorkam, doch darein willigte.
Und auf der Stelle ging er zu dem Biedermann, mit dem er gut Freundwar, und fagte ihm durchaus, wie es mit feinem Sohne ftand, und bat ihn,da fich der diefe Heirat in den Kopf gefetzt habe und er damit einverftandenfei, um feine Zuftimmung. Dies gehört, fagte der Biedermann: »Bei Gott,Freund, täte ich das, fo würde ich als gar falfcher Freund an Euch handeln:Euer Sohn ift ein trefflicher Jüngling, und es wäre eine arge Schlechtigkeit,wenn ich ihn in fein Unglück oder gar in feinen Tod rennen ließe/ denn ich
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