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Märchen des Mittelalters
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18.DIE DREI KÄSTCHEN.

HONORIUS HERRSCHTE IN GROSSEM PRANGEN,der hatte einen einzigen Sohn, und den liebte er zärtlich. Der Ruhm diefesKaifers flog durch die Welt, weil er in allem fromm und gerecht war,- gegeneinen König jedoch führte er Krieg und verwüftete fein Land. Nachdemdiefer König durch ihn viele Verfolgungen und unermeßlichen Schaden erlittenhatte,dachte er endlich bei fich: »Ich habe nur eine einzigeTochter,undmeinGegner,der Kaifer, hat nur einen einzigen Sohn,- fo ich meine Tochter irgendwiefeinem Sohne ehelich verbinden könnte, würde ich ewigen Frieden erlangen.«Er fchickte alfo eine prächtige Gefandtfchaft zu dem Kaifer, auf daß fie ihnbitte, ihm einen Waffenftillftand zu gewähren, bis er felber mit ihm fprechenkönne. Der Kaifer gewährte ihm nach gehaltenem Rat einen Waffenltillftandvon einem Jahre. Nun kam der König zu ihm und bot ihm feine Tochter fürfeinen Sohn zur Gattin an. Der Kaifer aber fagte: »Das kann nur unter zweiBedingungen gefchehen: einmal muß deine Tochter eine reine Jungfrau fein,und dann muß nach deinem Hinfeheiden dein ganzes Reich meinem Sohnezufallen.« Und der König fagte: »Das ift mir durchaus recht.« Und fofortwurde der Vertrag verbrieft und gefiegelt,- und der König nahm Abfchiedvon dem Kaifer.

Daheim angelangt, ließ er ein Schiff bauen,- denn feine Tochter mußte zudem Kaifer zur See reifen. Und als das Schiff fertig und mit aller Notdurftverfehen war, beftieg es das Fräulein, und es hatte einen anfehnlichen Schatzund fünf Ritter famt Frauen und Mägden bei fich. Und auf ihrer Fahrt übersMeer begegnete ihnen ein gewaltiger Walfifch, und der wollte das Schiff ver»Ichlingen, und die Schiffer begannen fich arg zu fürchten und fonderlich auchdasrräulein,- und fie zündeten ein mächtiges Feuer an und wachten Tag undNacht. Nach drei Tagen aber gefchah es, daß fie, ermüdet durch das langeWachen, einfchliefen, und fofort verfdhlang der Walfifch das Schiff famt allenund allem.

Als aber das Fräulein fah, daß fie allefamt in dem Bauche des Fifcheswaren, fchrie es heftig, und durch diefes Schreien wurden alle munter. Unddie Schiffer fagten zu dem Fräulein und denRittern: »Teuerfte, tröffet euch/

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