Druckschrift 
Märchen des Mittelalters
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

Und er lebte in feinen Ehren ein zweites Jahrhundert,- dann aber hatteihn das Alter fo gebeugt und gelähmt, daß ihm das Leben zur Laft ward. Erberief alle Großen feines Landes, und fie kamen allefamt, und der Königsftuhlwurde aufgeftellt, und feine Mannen führten ihn hin. Und er traf Beftimmungenüber das Reich und die Königswürde und erteilte feinem Volke guten Rat undväterliche Ermahnung, Gott zu fürchten und die Rechte des Landes nach denalten Satzungen guter Fürften zu wahren. Dann legte er fich bei hellem Tagezu Bett und gebot den Geiftlichen, ihn auf die letzte Stunde vorzubereiten.Und das gefchah, und dann erzählte er feinen Vertrauten alles, was fich zwifchenihm und dem Tod zugetragen hatte, und endlich fagte er: »Nun komm, Meifter,und höre, wie ich mein Gebet beende,- ich bin bereit.« Und der Meifter kam,und der König begann: »Vergib uns unfere Schulden«,- und in dem Augen»blicke, wo er das Amen fprach, fchied er aus diefem Leben. Und er wurde,obgleich er alt war, fehr beweint, und damit hat diefe Gefchichte ein Ende.

56