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Märchen des Mittelalters
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Phyfiologus nennen wird. Und damit ift meitie Lehre zu Ende und unfer erftesZufammenfein,- wir .werden uns zwar wieder treffen, aber das Wiederfehenwird dir keine Freude bringen.« Damit fchloß der Tod feine Rede.

Und es kam der Tag, wo fie beide vor den König gerufen wurden, undder Königsfohn (teilte dem Meifter ein Zeugnis des Lobes aus, und der Meiftererntete von dem König reidien Dank und das Angebot von Gaben und Ehren«bezeigungen/ er aber fchlug alles aus und bat nur um Urlaub. Die Weisheitdes Königsfohnes wurde zunächft nidit gar [hoch angefcfilagen, aber mit derZeit gewann er Anfehen, und das wuchs immer mehr, und fchließlich war esdas allgemeine Urteil, feinesgleidien fei noch nie geboren gewefen. Und baldwaren gleichfam alle Länder in Bewegung, ihn aufzufuchen, und er machteweite Reifen zu vornehmen Leuten, um ihre Krankheiten zu unterfuchen. Unddann ftarb fein Vater, und als er den Thron beftiegen hatte, befuchte er nurnoch feine Freunde und die Mächtigen des Landes. Aber trotz feiner Gabeward er nicht hochmütig, fondern blieb herablaffend und fanft und mild, fo daßihm jedes Kind von Herzen hold war. So vergingen feine Tage in Ruhm undGlück, und als er hundert Jahre erreicht hatte, war er noch ein rüftiger Mann.

Da kam eine heftige Krankheit über ihn, die wenig Ausficht auf Rettungließ, und als er da einmal aus einer Ohnmacht erwachte, fah er, daß fein alterMeifter mit dem breiten Filzhute gekommen war, und der faß dicht bei feinemHaupte. Und er fagte zu ihm: »Meifter, warum bift du fo bald gekommen!«Und der Tod antwortete: »Einmal muß es fein.« Und der König Tagte:»Damals, als ich, ein Königskind, drei Jahre lang fchweigend zu deinen Füßenfaß, hätte ich nicht gedacht, daß du mich wegreißen werdelt aus der Fülle desGlücks und der königlichen Ehren und obwohl ich noch fo rüftig bin und zurRegierung wohl tauglich.« Der Tod aber fagte, der König muffe durchaus mitihm gehen/ da fagte diefer: »Soviel Frift wirft du mir aber doch gewähren,daß ich noch ein Vaterunfer fpredien kann«, und der Tod gewährte die Frifteines Vaterunfers. Und der König fprach die erften vier Bitten des Vaterunfers,als er aber zu der Stelle gekommen war: »Vergib uns unfere Schulden«, fchwieger (tili. Der Meifter wartete lange, aber er blieb ftumm. Endlich fagte der Meifter:»Warum, mein Sohn, beteft du nicht weiter?« Und der König antwortete:»Ich will nicht. Du halt mir gewährt, daß ich noch ein Vaterunfer fpredien darf,und den Schluß werde ich nicht eher beten, als bis ich gelebt habe, folange esmein Herz begehrt, und dann werde ich das Gebet freiwillig beenden.« Undder Tod fagte: »Es ift deiner Lift gelungen, mich zu betrügen, und fo wirft dufür diesmal deinen Willen behaupten.« Und er fchied, und mit dem Königewurde es fo rafch beffer, daß es allen ein Wunder fchien, wie die Krankheit wich.

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