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Märchen des Mittelalters
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fröre.« Diefer Rede war der König froh, und er ließ fchleunigft alles fo her«richten.

Und als der Meifter und der Königsfohn das Haus bezogen hatten, dafetzte fidi der Meifter, wie es ihm zukam, auf den Hochfitz, und der Königs»fohn fetzte fich ihm zu Füßen, fo demütig, wie ein Kind geringen Standes.Und fo faßen fie den erften Tag und fchwiegen, und den zweiten und dendritten, und kein Wort wurde laut. Und um es kurz zu machen, das ganze Jahrlang diente der Königsfohn früh und fpät dem Meifter und faß fchweigend zufeinen Füßen. Und als das Jahr zu Ende war, fagte der Meifter: »Morgen,mein Sohn, wird man uns holen und vor den König führen. Er wird dich umden Unterricht fragen, und du magft ihm antworten, du dürfeft von deinerBelehrung nichts fagen, du wifteft aber, daß dergleichen noch nie ein menfchlidiesOhr vernommen habe. Und dein Vater wird fragen, ob du noch weiter bei mirbleiben willft/ darauf antworte, wie du willft, ich gebe dir keinen Rat.« Undes gefchah fo, wie der Meifter gefagt hatte, und der Königsfohn fagte, er gehegern in das Haus im Walde zurück. Das zweite Jahr verlief wie das erfte, undwieder entfchloß fich der Königsfohn, in der Einfamkeit zu verharren, und dasdritte Jahr verging in demfelben Schweigen. Als aber auch diefes Jahr zu Endewar, fagte der Meifter:

»Mein Sohn, nun follft du den Lohn für dein Schweigen, deine Geduldund deine Treue erhalten/ denn du bift der Lehre würdig, die noch keinemWeifen zuteil geworden ift. Wide, ich bin kein Menfch, fondern ich bin der Tod,und die Weisheit, die ich dir geben will, foll dich berühmt machen durch alleLande, und nun gib wohl acht: Wenn ein Menfch in der Stadt krank wird, fogehe zu ihm, und du wirft mich bei ihm fitzen fehen, und du mußt beachten,wo ich fitze. Sitze ich bei feinen Füßen, fo follft du, wie es auch eintreffen wird,fagen, daß er lange, aber nidit fehr fchwer krank fein und daß er davonkommenwird,- fitze ich ihm zur Seite, fo wird die Krankheit fchwerer, aber kürzer feinund ihr Genefung folgen , fitze ich aber zu feinen Häupten, fo ift der Tod gewiß,mag die Qual länger oder kürzer währen. Und erkranken deine Freunde oderangefehene Leute, die du erfreuen oder deren Freundfchaft du erwerben willft,oder willft du Geld und Ehre von ihnen erlangen, fo nimm den Vogel Karadius:fitze ich nicht am Kopfende des Kranken, fo halte ihm den Vogel vors Geficht,denn der Vogel hat die Eigentümlichkeit, die Krankheit aufzufaugen und auf=zunehmen, und dann laß ihn aus, und er fliegt mit der Krankheit hoch in dieLuft und nahe zur Sonne und bläft die Krankheit in fie hinein, und fie nimmtfie auf und zerftört fie in ihrer Hitze. Und fo wird die Kraft diefes Vogelsbekannt werden, und man wird fie in dem Buche verzeichnen, das man den

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