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Märchen des Mittelalters
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17.DER KÖNIGSSOHN UND DER TOD.

EIN MÄCHTIGER KÖNIG SASS IN SEINEM REICHE,- ERhatte Güter aller Art und erlefene Berater, weltliche Ehre und uner»meßlichen Reichtum an Gold und Edelfteinen, und feinen Stolz fetzte er darein,in feiner Halle Männer zu haben, fo man Philofophen nennt, das heißt hochgelehrteWeife. Nun gefchah es, daß ihm die Königin einen Sohn gebar, und der wuchsheran, wie es einem Königskinde ziemt, hold und freundlich, beftändig undtrefflich, männlichen Sinnes ohne Falfch und Hehl. Und als er fo alt war, daßan feine Unterweifung gedacht werden mußte, ftand eines Tages, als der Königan feiner Tafel faß, der weifefte Meifter auf, der in der Halle war, trat vor denHodifitz und fagte: »Herr, wir glauben, Euer Sohn ift uns von Gott gegeben,auf daß er dereinft auf Euerm Throne fitze, und darum erbiete ich mich, ihnin jeglicher Wiffenfchaft zu unterweifen.« Der König aber fagte mit garzorniger Miene: »Was könnteft du meinen Sohn lehren? DeinWiffen ift nichtmehr wert als die Pollen fahrender Leute und das Spiel der Kinder. Und meinSohn foll nicht zu deinen Füßen fitzen, fondern er foll ohne Unterricht bleiben,oder er foll den Meifter erhalten, der ihn unbekannte Weisheit lehren kann,von der ihr nie etwas gehört habt.«

Nach einigen Tagen, als der König wieder bei Tifche faß, wurde leife andie Tür gepocht, und als die Wächter nachfahen, ftand draußen ein Mann mitdem Gehaben eines Weifen, und der verlangte, vor den König geführt zuwerden. Der König erlaubte es, und der Mann kam herein,- er trug einen großenFilzhut, fo daß man fein Geficht nicht genau fehen konnte, rückte auch zumGruße nur wenig an der Krempe und fagte: »Heil Euch, Herr!« Und er fuhrfort: »Ihr feht, Herr, daß ich ein Weifer bin, und da mir ein Wort von Euchwegen des Unterrichts Euers Sohnes zu Ohren gekommen ift, das EuemRäten etwas hochfahrend erfchien, fo bin ich gekommen, um ihm mit meinemWillen zu dienen,- denn was ich ihn lehren kann, wird, hoffe ich, keinemlebenden Menfchen bekannt fein. Da ich aber alt und fchrullig bin, fo magich nicht dem Lärm der Welt ausgefetzt fein, und darum laßt für uns in demWalde zwei Meilen vor der Stadt ein Haus errichten und des Lebens Not«dürft für ein ganzes Jahr hinfchaffen,- denn ich will, daß uns dort niemand

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