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Märchen des Mittelalters
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16.SALADINS BEKEHRUNG.

SALADIN WAR SULTAN VON BABYLON, UND ER HATTEimmer ein großes Gefolge. Und als eines Tages nicht alle feine Leute mit ihmnächtigen konnten,begab er fich in dasHaus eines Ritters,und diefer erwies feinemHerrn, der auch fonft an fo hohe Aufmerkfamkeit gewöhnt war, alle Dienfteund was ihm nur Wohlgefallen konnte, und feine Frau und feine Söhne und feineTöchter bewirteten ihn nach Kräften. Der Teufel aber, der ja immer trachtet,den Menfchen zu verführen, gab dem Sultan in den Sinn, alles zu vergeffen,was er hätte behalten follen, und die Frau zu lieben, wie er nicht hätte tundürfen, und diefe Liebe war fo groß, daß er fich mit einem feiner fchlechtenRäte zu beraten befchloß, wie er fein Verlangen ftillen könnte/ und diefer rietihm, ihren Gatten entbieten zu laffen und ihm viel Gunft zu erzeigen und ihnüber viel Leute zu fetzen und ihn nach Verlauf einiger Tage in feinem Dienfterecht weit wegzufchicken, und in der Zeit feiner Abhaltung werde er allen feinenWillen erfüllen können. Der Rat gefiel Saladin, und er fetzte ihn ins Werk.

Kaum war der Ritter in feinem Dienfte abgegangen, voller Freude überdiefes Wohlwollen feines Herrn, begab fich Saladin in fein Haus. Und als dieFrau von der Ankunft des Sultans erfuhr, der ihrem Gatten foviel Huldbewiefen hatte, empfing fie ihn gar trefflich und bewirtete ihn und tat mit ihrenLeuten alles zu feinem Wohlgefallen. Und nachdem der Tifch weggeräumtwar, ging Saladin in fein Gemach und befchied die Frau zu fich, und fie erfchicnauf der Stelle, und Saladin fagte ihr, daß er fie innig liebe. Obwohl fie ihnfehr wohl verftand, gab fie ihm doch zu verftehen, fie verftehe ihn nicht in diefemSinne und fagte, Gott möge ihm ein gutes Leben fchenken, und fie werde esihm danken/ denn Gott wilfe, daß ihr fein Leben fehr am Herzen liege unddaß fie immer für ihn bete, wie es fich für fie gezieme, da er ihr Herr fei undihrem Gatten und ihr überdies foviel Gnade erzeige. Saladin aber antworteteihr, daß er fie, von all dem abgefehen, mehr liebe als fonft ein Weib auf derWelt/ und wieder dankte fie ihm und gab nicht zu verftehen, daß fie es richtigverftehe. Aber warum fovielWorte? Saladin fagte ihr endlich rund heraus,wie er fie liebe. Und als fie das hörte, antwortete fie ihm als gute und wohl»anftändige Frau: »Herr, obwohl ich nur ein Weib geringen Standes bin, fo

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