weiß ich doch fehr gut, daß die Liebe nicht in der Macht des Mannes, fondernder Mann in der Macht der Liebe ift. Und ich weiß fehr gut, daß, wenn Ihrmir eine fo große Liebe entgegenbringt, wie Ihr fagt, dies ebenfogut wahr feinkann wie nicht,- denn wenn Ihr Männer und fonderlich Ihr Herren nach einerFrau verlangt, fo fagt Ihr ihr, daß Ihr alles tun würdet, was fie verlange, undläßt fie fich verleiten und gibt fie fich hin, fo verachtet Ihr fie, wie fie es verdient,und ihr bleibt die Schande. Und fo, Herr, fürchte ich, würde es auch mir ergehen.«Saladin aber, der immer hitziger wurde, verfprach ihr, alles zu tun, was fieverlangen werde, auf daß fie durchaus glücklich fei. Und die gute Frau ant-wortete ihm, wenn er ihr verfpreche, ihr, bevor er ihr Gewalt oder Schandeantue, zu erfüllen, was fie verlange, fo verfpreche fie ihm, fofort nach derErfüllung in allem nach feinem Willen zu tun. Saladin fagte, er argwöhne, fiewerde verlangen, daß er nie mehr von der Sache reden folle, aber fie fagte,das werde fie nicht verlangen und auch fonft nichts, was er nicht ganz leicht tunkönne, und fo verfprach er es ihr. Und die gute Frau küßte ihm Hände undFüße und fagte, was fie von ihm heifche, fei, daß er ihr fage, was das Befte fei,das der Menfch in fich haben könne und das Mutter und Haupt aller Tugendenfei. Dies gehört, begann Saladin angeftrengt nachzudenken, aber eine Antwortfiel ihm nicht ein. Weil er aber verfprochen hatte, ihr keine Gewalt oder Schandeanzutun, bevor er fein Verfprechen erfüllt haben werde, fo heifchte er Bedenk»zeit, und fie fagte, fie verfpreche ihm, wann immer er ihr die Lösung bringenwerde, allen feinen Willen zu tun. Und bei diefer Schlichtung ihres Handelsblieb es, und Saladin begab fich zu feinem Gefolge.
Und Saladin befragte darüber alle feine Weifen, als ob er damit einenandern Zweck verfolgen würde. Die einen Tagten, das Befte, das der Menfchhaben könne, fei ein gutes Gewiffen,- aber ihnen wurde entgegnet, das geltefür die andere Welt, auf diefer jedoch nütze es für fich allein nicht allzuviel.Andere Tagten, es fei die Treue,- aber ihnen wurde entgegnet, obwohl die Treueetwas fehr Gutes fei, fo könne man dodi treu und dabei feig oder geizig oderfchändlich oder ungefittet fein, fo daß außer der Treue noch andres erforder-lich fei. Und in diefer Weife erörterten fie alles mögliche, aber Saladins Fragevermochten fie nicht zu erfchöpfen. Lind da Saladin in feinem ganzen Reicheniemand fand, der ihm die Löfung hätte geben können, fo verließ er es undgingauf Reifen und nahm, um leichter durch die Welt zu kommen, zwei fahrendeSpielleute mit. Und unerkannt fuhr er übers Meer und begab fich an den Hofdes Papftes, das Ziel der Chriftenheit,- und er fragte, und er bekam keinenBefcheid. Und dann ging er zu dem Könige von Frankreich und zu allen andernKönigen,- aber einen Befcheid erhielt er nirgends. Und damit verging fo viel
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