15.SÜHNENDE BUSSE.
EIN NOCH NICHT MANNBARES MÄGDLEIN WURDEeinem Ritter vermählt, und der zog übers Meer und ließ fie und feinganzes Land unter der Obhut feines Senefchalls. Als He aber herangewachsenund zu einem fchönen Weibe geworden war, buhlte der Senefdiall um fie, under drang heimlich in ihr Gemach und fchwächte fie. Tief betrübt darüber erwürgtefie ihn im Schlafe. Dann eröffnete fie lieh einem Knappen, einem Landsmann\on ihr, den ihr ihre Blutsfreunde als Diener mitgegeben hatten. Der fchaltfie eine elende Mörderin und fagte, er werde ihr in keiner Weife helfen, es feidenn, fie fei auch ihm zu Willen. Das verfprach lie ihm mit dem Munde, nichtmit dem Herzen. Und er fteckte den Leichnam in einen Sack und trug ihn aufder Schulter davon, um ihn von einer Brücke aus ins Waller zu werfen,- als eraber zum Wurfe ausholte, verfetzte ihm die Herrin einen Stoß, fo daß er famrdem Toten ins Waffer fiel, und er ertrank.
Mit der Zeit kehrte der Gatte heim, und da lie bedachte, daß ihre Jung*fraufchaft verloren war, bewog fie eines ihrer Fräulein, eine Jungfrau, durchdas Verfpredien großer Gefdienke, bei ihrem Gatten ihre Stelle einzunehmen.Und als der, nachdem er das Fräulein erkannt hatte, eingefchlafen war, fagtelie ihr, nun folle lie weichen. Die aber weigerte es und fagte, das Bett habe fiegewonnen und lie wolle immerdar bei ihrem Gatten bleiben. DieHerrin wartete,bis auch das Fräulein eingefchlafen war,-dann warf lie zwei Itarke Decken überfie und zog fie herab zu der Truhe neben dem Bette und legte Feuer an dieDecken, und nun weckte fie den Gatten: »Stehen wir auf, Herr, fonft verbrennenwir!« UnterdelTen verbrannte die andere und ließ ihr Leben, und fo war liein Sicherheit.
Endlich aber bekam lie GewiffensbilTe, und da ging lie zu dem Kaplan,dem Beichtiger ihres Gatten, der ihr ein frommer, heiliger Mann zu fein fchien,und beichtete ihm all ihre Verbrechen,- und er legte ihr als Buße auf, an jedemFreitag bei Waffer und Brot zu falten und eine härene Kutte zu tragen. Unddas tat fie in frommer Reue. Der Beichtvater aber, dem das der Teufel eingab,buhlte um lie,- fie wies ihn durchaus ab, und fdiließlich drohte er ihr, wenn fieihm nicht zu Willen fei, fo werde er ihrem Gatten alles fagen, was lie ihm
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