machte fich Maurus, das Herz voller Furcht, unverzüglich auf, um vor dasAntlitz des Königs zu treten. Aber nodi auf dem Wege fing er nachzudenkenan und fich zu erinnern, wie töricht er getan habe und wohin er nun gehe unddaß es jetzt gelte, vor dem Könige und feinen Fürften Rechen fchaft abzulegenüber die Herde, die er fo lang gehütet, und fonderlich über den Stier, defiengoldene Hörner er weggegeben hatte/ und da blieb er ftehen und fagte beifich felber: »Ich will nicht weitergehen, als bis ich verflicht und gefunden habe,was und wie ich dem Könige ungefährdet antworten kann.« Und er fließ feinenStock in die Erde, daß er feftftand, nahm feinen Hut vom Kopfe und fetzteihn dem Stocke auf und fagte: »Du bift jetzt der König.« Dann ging er aufdie Weite eines Steinwurfs zurück, fchritt wieder vor bis zu dem Stodc amWege, den er an des Königs Statt gefetzt hatte, beugte feine Knie und huldigteihm: »Sei gegrüßt, o König! Sei gegrüßt, o König!« Und für den Stodc ant-wortend, fagte er zu fich: »Sei gegrüßt, Maurus, du guter, treuer, klugerKnedit! Wie geht es meinen Rindern?« — »Sehr gut!« — Und wie meinemStiere mit den goldenen Hörnern?« — »Nicht fo, wie ich es wollte oder wiees mir taugte.« — »Wiefo denn.'« — »Vor etlichen Tagen hat er fich von derHerde entfernt, und da ift ein Rudel Wölfe gekommen, und die haben ihnerwürgt und gefreffen.« Und wieder antwortete er für den Stock: »Schlechthaft du meinen Stier gehütet,- aber gib mir feine Hörner, die haben ja dieWölfe nidit gefretfen.« Da bedachte Maurus bei fich: »Sage ich, die Wölfehätten ihn gefreffen, fo wird er die Hörner verlangen,- da würde ich mich alfoum den Kopf reden.« Und fo ging er wieder einen Steinwurf weit zurüd<,ging wieder vor zu demStodce und huldigte ihm grüßend gleich als dem Könige,-und nun gebrauchte er keinerlei lügenhafte Ausflüchte mehr, fondern bekanntevor dem Stocke, gleich als ftünde er vor dem Könige, alles, was er getan, undwie er die goldenen Hörner der Gattin des verruchten Statthalters als Schand-lohn gegeben hatte, und er fuhr fort: »Beffer ift es, ich fage vor dem Könige dieWahrheit, alsdaßidheineLügeerfänneund,aufihrertappt,einfchmähliches Endenähme. So will ich denn die Wahrheit reden und nidit lügen/ meine Kehle wirdnach Wahrheit trachten 1 ), und aus meinem Schlünde foll nicht Torheit fchreien 2 ).«Und er nahm den Hut, fetzte fich ihn aufs Haupt, ergriff den Stock und gingweiter.
Und als er vor dem Könige Pfand, rief er: »Sei gegrüßt, o König! Seigegrüßt, o König!« Und der König blidcte ihn an und fagte:»Bift du nicht meinwahrhafter, aufrichtiger Knedit Maurus, gut, klug und treu, ein wahres KindIsraels, an dem kein Falfch ift s >?« — »Der bin ich, Herr und König.« — »Wie
') Sprüdie 8, 7- 2 > Hioß 6, 3o. :1 > Jofiannes 1. 47.
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