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Märchen des Mittelalters
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nicht nur meinen Kopf, fondern ich und du wären audi reiche Leute, und darumtu rafch, was du gefagt haft.«

Und das Weib, diefer künftige Teufelsbraten, machte fich auf den Weg zuMaurus, und als der fie fah, verwunderte er fich, warum eine fo große Damezu ihm komme. Und fie traf ihn in einem Walde, wie er des Königs Viehweidete und den Stier mit den goldenen Hörnern hütete; fie grüßte ihn freundlichund fetzte fich nieder. Warum viel Worte machen? Sofort umfing fie ihn, küßteihn, herzte ihn frechen Antlitzes, verltrickte ihn durch mancherlei Rede undverführte ihn durch die Schmeicheleien ihrer Lippen/ um mit ihr die Luft zubüßen, folgte er ihr wie ein mutwilliges Lämmchen, wie ein Ochs, der zurSchlachtbank geführt wird, ohne eine Ahnung, daß er in Fefleln gefchlagenwerden follte, bis ihm ein Pfeil die Leber durchbohren werde, wie der Vogelins Netz flattert '>. Und als fie ihn trunken gemacht hatte mit ihren Brüftenund er der erfehnten Umarmungen genoffen hatte s >, fagte fie: »Wenn du mirnicht für den Genuß der Begattung die goldenen Hörner gibft, die der Stierdeines Herrn trägt, fo werde ich dich bei meinem Herrn anklagen, und er wirddir nachfeilen, bis du getilgt bift aus dem Buche der Lebenden 3 ).« Durch diefeWorte arg erfchreckt, bot ihr Maurus viel andres an, verfprach ihr alles Möglicheund gelobte ihr zu geben, was immer fie wolle , nur die Hörner des Stiers folle fienicht verlangen. Sie aber wies alles zurück um der Hörner willen, bis Maurus, derden Statthalter mehr fürchtete als den König, feinen Knüttel packte, dem Stier dieHörner abfehlug und fie der Elenden übergab. Sie kehrte heim und zeigte dieHörner ihrem Gatten und behauptete, Maurus werde auf die Frage des Königsnach dem Verbleib der Hörner die Wahrheit nicht eingeftehen. Heiter und alswäre er aus einem fchweren Schlafe erwacht 4 ), beging der Statthalter diefenTag in feftlicher Freude, und den von dem Könige beftimmten erwartete er nungetroft.

Als aber jener Tag nahte, ließ der König alle feine Fürlten, Ritter undMannen kommen, auf daß fie der Entfeheidung anwohnten und gleichermaßenvernähmen, wer von ihnenbeiden,croderfeinStatthalter,alsSiegerhervorgehe.Und fie kamen alfefamt und faßen in der Königshalle nach ihrem Range nieder, undauch der Statthalter war da, froh und vergnügt und durchaus der Überzeugung,er werde feinen Kopf behalten und die Stadt gewinnen, Und auf Befehl desKönigs liefen die Läufer, einer fchneller als der andre, um Maurus vor denKönig und deffen Fürften zu befcheiden, auf daß er Rechenfchaft ablege überfeine Wirtfchaft '). Als fie hinkamen und den Befehl des Königs ausrichteten,

»> Sprüde 7, 13 und 21 - 23. 2 ) Sprüde 7, IS. s ) Pfafm 68, 29. «> Gencßs 45, 26.') Ltttas 16, 2.

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