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Märchen des Mittelalters
Entstehung
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11.

DER WAHRHAFTE KNECHT.

ESWAREINMALEIN EDLER,MÄCHTIGER, REICHERKönig, dem waren viel Fürften, Grafen, Barone, Ritter und MannenUntertan und viele Völker verfchiedener Länder und Stämme und verlchiedenerSprachen/ und er hatte Schätze von Silber und Gold und unermeßliche Reich=tümer, dazu unzählige Herden von Rindern und Kleinvieh. Das wunderbarfteaber von feinem ganzen Befitztum war ein Stier mit goldenem Gehörn, undden hütete famt viel andern Rindern ein Hirt, Maurus mit Namen, der dieWahrheit fo fehr liebte, daß er niemals log, und es war niemand da, der hättefagen können, Maurus habe je gelogen , deshalb hielt ihn der König gar liebund wert. Auch hatte der König in einer Stadt einen Statthalter, einen nidits^würdigen Menfchen und fo voller Bosheit, daß er nie froh war, außer wenner den König gegen irgendeinen feines Gelindes aufgebracht hatte.

Als nun der König einmal mit diefem Statthalter faß, fprach er auch vonMaurus und fagte dabei: »Nie halt du einen fo wahrhaften, fo treuen Manngefehen wie Maurus, der meinen Stier mit den goldenen Hörnern hütet.« Daantwortete der Statthalter: »Du fagft, o König, dein Hirt« Maurus fei fowahrhaft, daß er nimmer lüge,- aber wenn du eine deiner Städte einfetzenwollteft, fo möchte idi dagegen meinen Kopf wetten, daß ich deinen Maurus,den du gar fo fehr lobft, dazu bringe, dir ins Geficht zu lügen.« Und der Königging diefe Wette ein, daß der Statthalter, wenn er es vermöge, Maurus vorihm Lügen zu ftrafen, dieunddie Stadt haben folle/ gelinge es ihm aber nicht,dann habe er feinen Kopf verwirkt. Und der König beftimmte einen Tag, fürden er Maurus befcheiden werde, und hieß den Statthalter, gleicherweife zurStelle zu fein, auf daß er fein Haupt löfe.

Der Statthalter ging weg und nach Haufe und begann bekümmert zuüberlegen, daß er eine töridite Wette eingegangen wäre, wenn er verlöre,-traurig und betrübt kam er heim, und als ihn feine Frau fragte, was er habe,erzählte er ihr alles, was lieh zugetragen hatte. Sie aber fagte: »Sei nur heiterund guten Mutes,- ich will dich völlig löfen und werde Maurus zu etwas ver-leiten, was er nicht um fein Leben dem Könige einzugeftehen wagen wird.«»Oh,« fagte er, »brächteft du dies zuwege, fo wäre ich felig,- dann behielte ich

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