Weib in dem Haufe einer vornehmen Frau unterzubringen, damit fie nicht, inder Welt umherftreifend, andern zum Ärgernis werde. Diefer Bitte fchenkte derBifchof Gehör und wies ihr reidhlidien Unterhalt an.
Unterdeffen war der König aus dem Felde heimgekehrt und fordertevon dem Grafen von St. Gilles Gattin und Sohn. Verwundert wies diefer denBrief vor, der den Tod beider befahl. Der Bote wurde gerufen und über feineReife befragt/ da wurde denn befunden, daß die Mutter des Königs den Briefgefälfeht hatte. Die Henker wurden gerufen, und alles weinte bitterlich, undder König fragte fie um die Begräbnisftätte der Gattin und des Sohnes, vondenen er fich nimmer trennen wollte. Die Henker führten ihn in den Wald/weil fie aber nun die Wahrheit nicht mehr verhehlen konnten, geltenden fie,wie fie des Knaben aus Mitleid gefchont hätten und der Mutter mit ihm. Da zogFreude ein in das Herz des Königs, und er fchwor, fein Reich nicht wieder zubetreten, bevor er fichere Nachrichten von ihnen in Erfahrung gebracht habenwerde/ und nachdem er die königlichen Gewänder an die Armen verteilt undniedrige Kleidung angelegt hatte, machte er fich auf den Weg. Almofen heifchend,forfchte er allenthalben nach feinen Lieben, indem er die Gattin nach deutlichenZeichen befchrieb. Von andern Bettlern gewann er Kenntnis, welchen Wegfie genommen hatten, und fo folgte er ihren Spuren, die ihn nach Bolognaführten.
Eines Tages empfing auch er das Almofen des Bifchofs,- weil aber an ihmweder Siechtum noch fonft ein Zwang wahrzunehmen war, fondern nur dieDemut, womit er diefes Almofen empfing, rief ihn der Bifchof in fein Gemachund befragte ihn nach der Lirfache feines Wanderns. Da er nun der Reihe nachalles, was fich zugetragen, erzählte, erriet der Bifchof, daß die Frau, für die ermildtätig forgte, feine Gattin war. Dem Könige fagte er nichts davon, aber diejunge Frau befchied er famt der Herrin, bei der fie weilte, zu fidi und befragtefie um ihre Abkunft und ihre VerhältnilTe/ fo fand er, daß fie feine Schwefterwar und die Gattin des Königs von Burgund. Und ihn und fie lud er für dennächlten Tag zu einem Mahle/ bevor man aber zu Tifche ging, ließ er Mutterund Sohn in königliche Gewänder kleiden, und als alles verfammelt war, führteer lie famt ihrem Knaben dem Gemahle zu. Jubelnd fiel ihr der um den Hals,um fie zu küffen, und war nicht zu löfen aus der Umarmung der Gattin. Darief der Bifchof weinend: »Liebfter, laß fie auch mir ein wenig/ ich bin doch ihrleiblicher Bruder, der Grafenfohn von Piktenland!«
Und er gab feiner Schwefter die Graffchaft Piktenland, in der er feinemVater gefolgt war, und entließ fie alle drei in Freuden mit großem Geleite in
ihr Reich.
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