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Märchen des Mittelalters
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bitte Euch, antwortet für mich.« Und fie fagte: »Wenn zwei Ritter reiten,und einer erzählt ein hübfches Märlein, fo fagt man, der eine Gefeil trage denandern und kürze ihm denWeg.« »Wahrhaftig,« Tagte der Ritter des Königs,»das war meine Meinung«, und alle fagten: »Das ift kein Narr.« Und derBräutigam fuhr fort: »Habt Ihr midi nidit gefragt, ob jenes Feld, das noch inden Halmen fteht, fchon geerntet fei?« Zum zweitenmal bat der Ritter dasFräulein, für ihn zu antworten, und fie fagte: »Wenn ein verfdiwenderifcherRitter mit viel Schuldverpflidnungen fdiöne Felder hat, fo fagt man, auch wennfie noch in den Halmen flehen, fie feien fchon geerntet.« Nun fagte derBräutigam:»Dann find wir einem Leichenzuge begegnet derundder wackereRitter wurdenämlich zu Grabe getragen, und da habt Ihr mich gefragt, ob er ganz totfei.« Wieder bat der Ritter das Fräulein, an feiner Statt zu antworten, undfie fagte: »Wenn ein guterMenfch ftirbt, und er läßt einen guten Erben zurück,dann Tagen wir: Er ift nicht ganz tot.« Und wieder fagte der Bräutigam: »Erhat mir gefagt, er habe denundden Fluß auf der Efchenbrücke überfetzt, undIhr wißt doch, daß dort weit und breit keine Brüche ift.« Das Fräulein fagte:»Vielleicht hat er mit einerEfdienlanzeeineFurtgefucht.« Und alle bewundertendie Klugheit des Fräuleins und entfdiuldigten den Ritter des Vorwurfs derNarrheit. Und wütend darüber, fagte der Bräutigam: »Eine Narrheit habeich vergeffen, die die ganze Welt nicht erklären könnte. Er hat mir geTagt, erkomme hierher, um eine Hindin zu jagen, die er in jenem Walde vor gut zehnJahren gefehen habe«. Da fagte der Ritter des Königs zu dem Fräulein: »Jetztwerdet nicht Ihr antworten, fondern ich: die Hindin feid Ihr.« Und er zog dieBriefe mit des Königs Siegel hervor und übergab fie dem Schloßherrn undfagte zu ihm: »Der König befiehlt Euch, Euere Tochter zu ihm zu bringen.«Und zu dem Bräutigam fagte er: »Einem belfern Gatten wird fie gegebenwerden, als Ihr feid.«

Vater und Tochter erfchienen vor dem Könige, und der enthüllte demFräulein fein Geheimnis, wie er fooft die Stimme gehört habe: »Ein Affefchläft bei deinem Weibe.« Das Fräulein antwortete: »Laßt mich eine Zeitlangbei der Königin weilen.« Und das gefchah, und am dritten Tage kam fie zudem Könige und fagte zu ihm: »Ich habe gefunden, was Ihr heifchet. Laßtmorgen in Euerm Palafte ein Spiel anftellen, und alle Fräulein der Königinfollen dafein und auch fie felber.« Und der König tat, wie fie gefagt. Und daskluge Fräulein erhob fich vor dem Könige und vor allen, die da waren, undftimmte ein Tanzlied an, und dann fagte fie: »Herr König, allein kann ich nichtvor Eudi tanzen/gebt mirdiefesFräulein der Königin zurGefellin.«DieKöniginwiderfpradi und fchalt diefes Fräulein eine fchlechte Tänzerin, aber der König

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