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Märchen des Mittelalters
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zu jagen, die ich gut vor zehn Jahren gefehen habe.« Und der andere: »BeiGott, ich und viele andere Ritter jagen dort tagtäglich, und Ihr wollt dort eineHindin finden?« Nun verließ er ihn gleich als einen Narren und begab (ich zufeinen Gefeilen, und da fie eben an ein Waffer gelangt waren, fagte er zuihnen: »Das ift ein kleiner Fluß/ durchreiten wir ihn rafch gefchloffenen Auges,und niemand fuche erft eine Furt!« So ritten fie denn durch, und viele fielenhinein, fo daß fie ertrunken wären, hätte nicht einer dem andern geholfen. DerRitter aber zog flußaufwärts und ließ einen Knappen mit der Lanze nach einerFurt fuchen, und fo kamen fie ohne Fährlichkeit hinüber,- und als fie wiederzu den andern fließen, trockneten die ihre Kleider. Und der Bräutigam gingdem Ritter entgegen und fragte ihn: »Wie feid ihr herübergekommen?« Erantwortete: »Auf der Efchenbrücke.« Darob erachtete ihn der Bräutigam, derwußte, daß zwei Meilen weit keine Brüche über den Fluß führte, für einennoch größern Narren.

Der Bräutigam ritt mit feinen Mannen in das Schloß ein, aber der Ritterdes Königs trennte fich von ihnen und begab fich in die Vorburg, und dortherbergte er. Es wurde dem Schloßherrn gemeldet, daß fidi in der VorburgRitter aufhielten, die nicht zu der Hochzeit feiner Tochter gekommen feien,und er fchickte an fie einen Knappen mit der Einladung, heraufzukommen.Und der Knappe fand den Ritter, wie er in fchöner Gefellfchaft feinenFalken fütterte, und er bat ihn im Namen des Schloßherrn hinaufzukommen,aber der Ritter fagte fröhlich: »Ich kann nicht,- ich bitte Euch, entfchuldigetmich«, und er fchenkte ihm den fchönen Falken, den er gefüttert hatte. Alsder Knappe die Entfchuldigung brachte, fagte der Bräutigam zu dem Schloß-herrn: »Bei Gott, fchidcet noch einmal um ihn,- denn er ift ein trefflicher Narr.«Und der Schloßherr fchickte einen feiner Ritter, aber bei dem entfchuldigte fichder fremde Ritter ebenfo wie früher und begabte ihn mit einem fchönen Rolle.Nun ging der Schloßherr felber und bat dringend, ja forderte und fagte: »Ichwerde verbieten, Euch Speife und für Euere Pferde Futter zu verkaufen,-kommt doch, laßt es Euch gefallen, hinauf zu der Hochzeit meiner Tochter.«Da ging er mit dem Schloßherrn hinauf, und der fetzte ihn oben an den Tifchzu feiner Tochter. Er fprach bei Tifche nur wenig und klug.

Und gegen Ende desMahls,' als der Wein allen warm gemacht hatte, wurdeder Bräutigam von den andern mit Winken und Zeichen gefcholten, daß erihn Für einen Narren gehalten hatte, und er antwortete: »Ihr werdet es jafelber hören.« Und er fagte zu ihm: »Habt Ihr mir nichtgefagt, ich folle Euchden Weg kürzen, und ich folle Euch tragen und Ihr würdet mich tragen?«Und der Ritter des Königs antwortete, indem er zu dem Fräulein fagte: »Ich

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