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Märchen des Mittelalters
Entstehung
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6.LIEBESZAUBER.

EINE EHEFRAU NAHM EINMAL IHRE ZUFLUCHT ZUeiner Hexe, und fie verlangte von ihr, daß fie durch Befchwörungen ihrenGatten zwinge, ihr feine Liebe zuzuwenden. Und die Hexe trug ihr auf, ihretliche Haare aus den Augenbrauen ihres Gatten zu bringen. Als nun ihrMann mit einigen Gefellen eine Handelsreife in ein fernes Land antrat, batihn die Frau: »Ach, lieber Herr, gib mir ein paar Haare aus deinen Brauen,damit ich fie bei mir verwahre zum Gedenken an deine Liebe.« Und derfchlaueMann gab ihr einige Haare von dem aus Fell verfertigten Köcher, den er trug.Und nachdem er mit feinen Gefellen eine Tagereife zurückgelegt hatte,kehrten fie in einer Herberge ein/ dort hatten fie am Abend ihre Kurzweilmit luftigem Gefpräch, als fidh auf einmal jener Köcher, den er an einen Nagelin der Wand gehängt hatte, geräufchvoll zu rühren begann. Und fie fagten:»Was iftdas?« Der Gatte aber, der erkannte, woran er war, fagte: »Vielleichtwill er weglaufen.« Und der Kodier ftrengte fich noch mehr an und drehte fichum, fo daß die Pfeile zu Boden fielen, und fprang hinab und lief bei der Türhinaus und lief und lief, bis er wieder daheim war. Und fo hatte das Weibunverhoffter Weife die Befchämung und die Befcherung, und überdies erhieltfie noch eine tüditige Tracht Prügel.

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