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Märchen des Mittelalters
Entstehung
Seite
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Euch indenBufen, und wenn er zu Mittag in Euerm Schöße fchläft,fo nehmet dasMeffer aus dem Bufen und fchneidet ihm wohl fechs Haare von denen ab, die ihman der Kehle an einer Warze wachfen, unddelTen wird er im Schlafe nicht gewahrWerden/ und die Haare gebt Ihr mir, und ich will damit tun, daß er keiner Fraumehr nütze fein mag denn Euch und es auch nie wird inne werden.« Die Fraufagte: »Das will ich tun«, und fie fteckte ein neugefchliffenes Schermeffer zu fich.

Nun ging das böfe alte Weib zu dem Ritter und fagte: »Herr, Ihr wähnt,ich hätte Euch belogen, als ich Euch gefagt habe, Euere Frau halte es mit andernMännern,- nun will ich Euch die Wahrheit felber erfinden laffen. Ihr pflegt alUwege mittags in ihrem Schöße zu fchlafen. Heute aber hütet Euch, fo EuchEuer Leben lieb ift, einzufchlafen/ denn fie hat ein neugefchliffenes Schermefferim Bufen und will warten, daß Ihr einfchlafet, aber delfen müßt Ihr Euch hüten,fonft fchneidet fie Euch die Kehle ab, und das braucht Ihr mir nidit zu glauben,fondern follt es felber erfinden.« Der Herr erfchrak, ob er es gleich nicht zu glaubenvermodite, und gedachte: »Du willft fehen, ob es Wahrheit oder Lüge ift.«

Und zu Mittag legte er fich feiner Frau in den Schoß, wie er allwegegewohnt war, und (teilte fich fchlafend und fchnarchte laut. Und die Frau glaubte,er fchlafe, und zog das Meffer aus dem Bufen, und mit der andern Hand griff fieihm an die Kehle und wollte ihm die Haare von der Warze abfchneideh. Undder Ritter fuhr auf und packte fie bei der Hand, in der fie das Meffer hielt, undbrach es ihr aus der Hand / und bevor fie hätte zu Worte kommen können, auf daßfie ihm gefagt hätte, warum fie das getan habe, hatte er fie zu Tode geftochen.

Alfo hatte das böfe alte Weib verrichtet, was der Teufel nie hatte verrichtenkönnen. Darum ift ein böfes altes Weib fdilimmer als der Teufel und nochtaufendmal fdilimmer/ denn der Teufel war den zwei Eheleuten manches Jahrnachgegangen, ohne nach etwas andermzu trachten, als daß fie übel miteinanderlebeten, und hatte es doch nicht zuwege bringen können. Und der Teufel fuhrhin und nahm einen Stecken und tat ein Schock Pfennige in ein Tüchlein undhängte es vorne an den Sted<en und hängte auch ein Paar Schuhe dran undging zu dem alten Weibe daß fie Gott fchände! und fagte: »Nimm dir,was dir verheißen: denn du bift fchlechter als ich, und was idi in langer Zeitnicht habe fchaffen können, das haft du in kurzer Frift gefchafft.«

Darum hüte fich männiglich vor den alten Weibern, die find allefamtHexen/ habt ihr doch gehört, daß fich ihr der Teufel den Lohn nicht mit derHand zu bieten getraut hat, fo fehr fürchtete er fie. Darum hüte männiglichfeines Weibes und feiner Töchter vor ihnen/ denn fie verführen fie mit Liften,derengleichen kein Mann je zu erdenken vermöchte. Es war nie etwas fo gutwie das gute Weib, und nie etwas fo böfe wie ein böfes Weib.

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