und weiß. Und voller Freude rief er: »Willkommen,Frau! Aus Gottes Gnadebift du genefen!« Und fie Tagte: »Wie ift mir? Wie habe ich fo langegefchlafen? Das war nidit recht von mir.« Und er fagte: »Nicht fo! MeinHerz war traurig/ nun ift es wieder froh. Zwei Monde bift du tot gewefen,und nun bift du, da ich dir zwanzig Jahre meines Lebens gab, genefen/die follft jetzt du leben, und fiehe, mein Haar ift grau geworden.« Die Frau,in frifcher Jugend prangend, dankte ihm, und fo begannen fie von neuem inFreuden zu leben.
Nun gefchah es, daß fich vor ihrem Haufe ein Tanz begab, und die Fraulugte beim Fenfter hinaus, wie das junge Volk der Stadt feine Kurzweil hatte.Da kam ihr die Luft, auch zu tanzen, und fie bat ihren Mann, und er gewährteihr es gern und hieß feinen Knecht, fie hinauszuführen und ihrer zu achten.Und fo ging fie und tanzte fröhlich, und der Mann legte fich ins Fenfter undfah zu, und er freute fich ihrer Freude. Und ein junger Mann, ein Gefeil mitftolzem Leib, tanzte mit ihr, und fie fah ihm in die Augen, und er fragte fie,ob fie, die doch mit allem Reiz begabt fei, keinen Gatten habe/ und fie fagtezu ihm: »Seht den alten Schelm dort im Fenfter, das ift mein Mann, und wäreich feiner ledig, an nichts gewänne ich größere Freude. Mit Liften hat er michvon meiner Verwandtfchaft weg und in die Fremde gebradit, und wer mirvon ihm hülfe, dem wäre ich hold.« Und fo redeten fie noch mehr miteinander,und der Jüngling verhieß ihr, nach ihrem Willen zu tun und fie nach dem Tanzean einen fiebern Ort zu führen. Da fagte der Knecht zu ihr: »Frau, wir folltenheimgehen, fonft möchte fich der Herr erzürnen.« Sie aber antwortete ihm:»Ich hab mir einen erlefen, und zu dem gehe ich lieber als zu dem altenunreinen Schelme.« Und der Jüngling nahm fie in feinen Arm und führtefie weg.
Der Knecht lief heim und fagte zu feinem Herrn: »Schaut, Herr, wiedem ift. Euere Frau will zu einem andern, und feht, fie geht mit ihm.« Derarme Mann lief ihr nach, und er rief fie: »Wohin, Frau? Geh her zu mir! Habich dir nicht genug der Treuen erwiefen?« Die Frau aber fagte ihm ab, und der,der fie führte, fpottete feiner. In feinem Schmerze ging der Mann zu den Stadt=gewaltigen und bat fie um Hilfe und klagte und erzählte ihnen den ganzenHandel und heifchte Gericht von ihnen. Sie willigten ein und legten den Jünglingund das Weib und auch ihn, jedes für fich allein, ins Gefängnis. Und amMorgen gingen die Weifeften der Stadt zu ihm und fragten ihn, was fich ver=laufen, und er beriditete ihnen den ganzen Hergang und wie er für ihr Lebenfeine Jugend gegeben hatte. Und fie fprachen Recht, die Sache folle er fchlichten,und er bat fie, die Leute einen Kreis bilden zu lalfen und die Frau in die Mitte
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