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Märchen des Mittelalters
Entstehung
Seite
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König, und der trat an fein Fenfter, und nun fah er, wie der Kerl mit derKrücke pochte und, weil die Königin nicht zur Stelle war und er fie nicht kommenhörte, wieder und wieder pochte/und fchließlich kam die Königin, leicht gekleidet,und öffnete ihm, und der Lump holte aus, um ihr die Krücke an den Kopf zuwerfen, und er hätte fie getroffen, wäre fie nicht ausgewichen, und er fchrie fiean: »Du Hure, warum kommft du fo fpät?« Und fie nahm ihn furchtfam in dieArme und fchaffte ihn hinein und tat mit ihm in Gegenwart des Königs, wieHerr Aftulf gefagt hatte, und dann entließ fie ihn. Und der König fagte zuHerrn Aftulf: »Wahrhaftig, Aftulf, ich bin entfdiloffen, nicht mehr in der Weltzu leben, und ich möchte, daß du und ich aufunddavongehen und es niemandfagen, und wir nehmen uns genug Geld mit und gehen unerkannt und ohneBegleitung zu Fuß/ und wir kehren nimmer zurück, es wäre denn, daß unsein Abenteuer zuftößt, das uns zur Heimkehr beftimmt.« Herr Aftulf fagte,er gehe gern von feinem Weibe und mit ihm, und der König nahm viel Geld,und fie machten fich insgeheim auf den Weg.

Auf ihrer Wanderung kamen fie einmal in der Gegend von Lucca an einluftiges, fchattiges Plätzchen, wo ein liebliches Wäfferlein floß, und ob der Hitze,es war im Juli, hielten fie dort Raff. Da fahen fie einen Mann kommen, dertrug auf dem Rücken einen großen, gewichtigen Schrein, und er fdiritt leichtgenug unter ihm einher/ und als er fich ihnen auf Bogenfchußweite genäherthatte, befchlolfen fie, fich in einem Gehölz in einiger Entfernung von dem WafTerzu verftedcen, um zu fehen, welchen Weg er einfchlagen werde, und das tatenfie. Der Mann kam heran, tüchtig verfdiwitzt von der Hitze fowohl als auchvom Gehen und von der Last, und als er den Schatten und das Bächlein Iah,gedachte er zu raffen und fetzte den Schrein auf den Boden. Dann nahm eraus der Tafche einen Schlüfiel und öffnete den Schrein, und heraus fprang eingar hübfdies Mägdlein, etwa zwanzig Jahre alt, und die fetzte fich an feineSeite, und nachdem fie aus dem Schreine Brot, Fleifdi und eine Flafche Weingenommen hatten, begannen fie in frommer Eintracht ihr Mahl zu halten. Undnach dem Elfen, es war um die dritte Nadimittagsftunde, legte der Mann feinHaupt dem Mädchen in den Schoß, und er entfchlief und begann zu fchnarchen.Der König und fein Gefell, die alles beobachtet hatten, hörten den Mann nichtfo bald fchnardien, als fie befchlolfen, dem Mädchen zu eröffnen, wie fehr lieeiner ihresgleichen bedürften/ hatten fie doch feit ihrer Abreife mit keinem Weibezu fchaffen gehabt. Sie traten ein wenig vor das Gehölz und winkten ihr, zuihnen zu kommen, und das Mäddien, dem fie anftändige Leute zu fein fchienen,fchob fachte, fachte dem Mann die Flafdie unter den Kopf und fich felber weg,und fie ging zu ihnen, und fie wurde trefflich empfangen und von dem Könige