und das ganze Gefolge mußte draußen bleiben / und nachdem die Tür verfchlolfenworden war, begann Herr Aftulf zu erzählen: wie ihn feine Frau mit Nieribetrogen habe, den er bei ihr im Bette gefunden, und wie darob ein folcherTrübfinn über ihn gekommen fei, daß er oftmals bcfchloffen habe, fich zu rächen,und wie ihm viel andere abfonderliche Gedanken gekommen feien, und das feider Grund feiner Traurigkeit gewefen,- und er fuhr fort: »Solcherlei Gedankenwaren es, mit denen ich an dem Fenfter meines Gemachs in Euerm Schlöffeftand, als ich einen Kerl kommen fah, der, weil er lahm war, mit dem Hinternauf einer Britfche rutfehte. Und er fdiob fich zu der Pforte des Palaftes der FrauKönigin und pochte mehrmals mit der Krücke an, und nach einer Weile fahich, wie die Frau Königin kam und die Pforte öffnete. Der Kerl befchimpftefie und warf ihr die Krücke, die er in der Hand hatte, an die Bruft und fchrie:»Lang haft du gebraucht, zu öffnen!« Die Königin entfcbuldigte fich, fie habenicht früher kommen können, öffnete die Arme, nahm ihn und zog ihn insHaus, und in meiner Gegenwart, fo daß ich alles fah, nahm fie ihm die Britfcheab und ftieg auf ihn. Nach einer Weile brachte fie ihm Früchte und einen Trunkund fetzte ihn wieder auf die Britfche und entließ ihn. Und da er fo dreilt kamund fich betrug, fo fchloß ich, daß der Handel mit der Königin fchon eine längereZeit dauere, und wie ich mir fo überlegte, wem Eudi die Königin vorgezogenhat, fo fah ich ein, daß das Betragen der Königin noch viel fdilechter als dasmeiner Frau ift, weil Ihr taufendmal mehr wert feid als der, den Euch dieKönigin vorgezogen hat, während ich nicht viel beffer bin als Nieri. Und darumnahm ich mir vor, wieder luftig zu fein und den Trübfinn fahren zu laffen.«
Der König fagte: »Wahrhaftig, wenn es fo ift, wie du fagft, fo fage ichdir, daß du Grund zur Fröhlichkeit halt und ich zur Betrübnis,- gleichwohl willes mir nicht in den Sinn, daß die Königin fo töricht gewefen fein follte, fo weitzugehen, und wäre es wirklich wahr, fo würde ich nimmer froh werden.« SagteHerr Aftulf: »Wahrhaftig, ich verfidiere Euch, es ift wahr/ aber herzlich leidtut mir, daß Ihr mich gezwungen habt, es Euch zu erzählen.« Und der Königfagte: »Wie ich dir früher gelagt habe, fo bewähre ich dir jetzt, daß ich dich,wenn ich dich je geliebt habe, nun noch hundertmal mehr liebe/ aber ich bittedich, verfdiaffe mir in diefer Sache Gewißheit, auf daß ich mir von den fdiwarzenGedanken helfen könne.« Herr Aftulf fagte: »Ich gedenke es Euch fehen zulalTcn, fo daß Euch kein Zweifel bleibt, und das kann am heften von demFenfter meines Gemachs gefchehen, und ich werde Euch zur Zeit verftändigen.«Und der König war es zufrieden.
Herr Aftulf begann fich verborgen zu halten, und nach einigen Tagen, eswar gerade ein Feiertag, fah er den Kerl wieder kommen. Sofort holte er den