Druckschrift 
Märchen des Mittelalters
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

und feinen} Gefellen viermal befriedigt,- und gar froh über diefes Abenteuerlobte fie den Herrn und die zwei Männer. Dann fragte fie der König, wer fiefei und woher und wer der Mann fei, der fie in einem Schrein auf dem Rückentrage, und warum er das tue. Das Mädchen fagte: »Ich bin aus Siena, undman nennt mich die Savia oder die Kluge, und idi bin die Frau des Mannes,der dort fchläft, und er heißt Arnulf, und der Grund, daß er mich folcherweifemittragt, ift Eiferfucht, damit ich es mit keinem andern als mit ihm halte/ darumnimmt er diefes Ungemach auf fich, looft er des Handels halber Siena verlaffen .muß, und find wir in Siena, fo fperrt er midi in eine Kammer im Erdgefdioß,die keine Tür hat und kein Fenfter, außer ganz oben ein paar Luftlöcher mitEifengittern und zu der es keinen Zugang gibt, als eine Falltür in dem Fuß»boden der obern Stube, und auf diefer Falltür fitzt er Tag und Nacht beifeiner Bekräftigung,- er öffnet und verfdiließt fie mit einem Sdilüffel und fchläftbei mir, und fo macht er es immer. Aber die Natur hat midi und überhauptdie Frauen Sienas dermaßen begnadet, daß wir auch gegen folche MaßregelnRat finden,- idi habe unter meinem Belte ein Loch gegraben, das aus dem Haufeführt, und (o laffe ich alltäglich einen oder den andern zu mir ein, und hin undwieder gehe ich audi auswärts meiner Luft nach, und auf diefe Weife verfdiaffeich mir Troft und Zeitvertreib, und das Denken und die Trübfal laffe ich meinemGatten Arnulf.« Der König, der mit Vergnügen gehört hatte, welches Verfahrender Mann beobachtete und daß fie fich die Savia oder die Kluge nennen ließ,fagte zu feinem Gefellen: »Von ihr haben wir fo viel gelernt, daß wir mit treff-licher Wiffenfdiaft heimkehren können.« Und das Mädchen, dem es an der Zeitfdiien, wieder zu ihrem Manne zu gehen, fagte zu den beiden, wenn fie bishermit ihr zufrieden gewefen feien, fo möge jeder noch ein Äpfeldien aus ihremGarten pflücken, und auf diefes gefällige Angebot pflüdue der König einÄpfeldien, und eines pflückte fein Gefell, und zur Belohnung für die gutenDienfte gab ihr der König einen fchönen, wertvollen Ring,- fachkundig, wie fiewar, erkannte fie den Wert des Kleinods, und fie fagte fich, daß das Herrenvon hohem Stande fein müßten, und fie befahl fie Gott. Und fie ging zu ihremGatten zurück, wedue ihn und fagte, als wäre fie immer bei ihm gewefen: »Ach,fchwer bift du mir auf den Schenkeln gelegen!« Der Mann fteokte fie in denSchrein, verfdiloß ihn, nahm ihn auf den Rücken und fdilug den Weg nachSiena ein.

Und König Manfred fagte: »Herr Aftulf, nun braudien wir nidit weiterdurdi die Welt zu tappen: das Mädchen hat uns unterwiefen, daß man eineFrau nie fo hüten kann, daß fie keinen Fehltritt beginge,- vereitelt man ihnenauch diefes oder jenes Stückchen, fdiließlich tun fie doch, was fie wollen. Und

7