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Märchen des Mittelalters
Entstehung
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folle und ob ihn nicht das Übermaß des Schmerzes zur Verzweiflung treibenwerde. Und während er ("ich folchen Gedanken hingab, fah er, wie ein Kerl,der den Hintern auf einerBritfcfie nachzog, zu der Tür des Palaftes von MadonnaFiammetta, der Königin und Gattin des Königs Manfred, rutfchte und mit derKrücke an die Tür pochte. Nadi langem Pochen kam die Königin an die Türund öffnete fie, und der Burfdie, der auf der Britfche faß, fcfileuderte ihr dieKrücke an die Bruft und befchimpftc fie, daß fie fo lange verzogen habe. DieKönigin entfchuldigte fich, fie fei fo rafch wie möglich gekommen, umfing ihnmit ihren Armen und zog ihn hinein,- und fie entledigte ihn der Britfche und gabfich ihm auf dem Eftrich hin. Und nach einer Weile, nachdem fie ihn wieder aufdie Britfche gefetzt und ihm eingemachte Früchte und einen Trunk gereicht hatte,entließ fie ihn aus dem Haufe.

Herr Aftulf, der alles gefehen hatte, begann fich der Trübfal, von der erbis zu diefem Augenblidte befangen gewefen war, einigermaßen zu getrölten,und er fagte bei fich: »Jetzt will ich darüber, daß mir meine Gattin einen Schild-knappen vorgezogen hat, nicht mehr verzweifeln, da ich fehe, daß die Königindem König einen Lumpen vorgezogen hat, der mit dem Hintern auf der Britfcherutfcht«,- und er nahm fich vor, fortan fröhlich zu leben und guter Dinge zufein und allen Trübfinn abzutun. Und er ging zu der Hofgefellfchaft und gabfich dem Vergnügen hin und tanzte und fang mit den andern, fo daß fichKönig Manfred fragte, wie es denn zugegangen fei, daß fich die fo großeTrauer einer fo langen Zeit in einer kurzen Stunde in eine folche Fröhlichkeithabe verkehren können, und er lag ihm an, ihm Grund und Urfache zu erzählen.Herr Aftulf, der es verheimlichen wollte, gab bald das, bald jenes vor, aberder König, der all diefe Reden als Ausflüchte erkannte, fagte: »Wahrhaftig,Herr Aftulf, wenn Ihr nicht die Wahrheit fagt, fo werdet Ihr die Liebe ein-büßen, die ich zu Euch trage, und fortan werde ich gering von Euerer Freund-fchaft denken.« Herr Aftulf fagte fich: «Verheimliche ich die Gefchichte, fo gerateich in Mißaditung bei dem Manne, den ich mehr als je liebe, und enthülle ichdie Tat, fage ich ihm, welche Schmach ihm die Königin angetan hat, fo kanner daran fterben.« Endlich entfchloß er fich, ihm auf fchickliche Weife alles zuerzählen, und bat ihn umVerzeihung, wenn er etwas ihm Widerwärtiges fprechenwerde, und der König fagte: »Sprich nur kühnlich/ alles, was du fagen wirft,foll dir vergeben fein, und nichts als Gutes foll dir daraus erwachfen.« UndHerr Aftulf fagte: »Herr König, da Ihr es denn durchaus verlangt, werde ichEuch alles der Reihe nach berichten/ weil das aber eine lange Gefdiichte feinwird, fo bitte ich Euch, laßt es Euch belieben, daß niemand fonft dabei ift.«Der König war einverftanden und begab fich mit ihm in ein andres Gemadi,