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Märchen des Mittelalters
Entstehung
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dem Fuß an einem Baume hängen bleibt, fo daß er ertrinken muß. Gleichgültigfind hier für uns die Parallelgefchichten in den Romanen von Merlin, bei demErzpriefter von Hita und in der altitalienifchen Novelle, um fo wichtiger aberein bachtijärifches Märchen, das D.L.R. Lorimer 1919 in feinen Persian Tafesmitgeteilt hat: Von einem neugeborenen Prinzen weisfagt ein Aftrolog, erwerde mit vierzehn Jahren von einer Schlange gebiflen werden, irgendwoherabftürzen und in einem Waller ertrinken: als er auf einem Baume nacheinem Sperlingsneft langt, beißt ihn eine Schlange, er ftürzt herab und in einenTeich und ertrinkt. Zu diefen zwei Varianten der erfüllten Weisfagung von dendrei einander widerfprechenden Todesarten aus dem mittelalterlichen Englandund aus der perfifdien Gegenwart halte man noch das 1882 von Mafpero ver»öffentlichte altägyptifche Märchen von dem Prinzen, dem die drei Hathorcnden Tod durch Schlange, Krokodil und Hund vorherfagen/ die Wurzeleinheitift nicht verkennbar. Soll hier eine Hypothefe aufgeteilt werden, fo kann diesnur die fein, daß es in den zwifchen der Urheimat des Märchens und feinenfpätern Fundorten liegenden Erdftrichen von Zeit zu Zeit Erzähler gegebenhabe, deren mündlich vorgetragene Kunftwerke gleichfam erftarrt find, zu»mindeft alfo für Epochen den Charakter von ErzeugnifTen der Literatur ange=nommen haben und dann von Mund zu Mund verbreitet worden find.

Aber auch dort, wo man dieWanderung einerGefchichte aus einem Sprach^gebiete in das andere verfolgen und belegen kann, erkennt man, daß fie, wennes fich nicht geradezu um die fchriftlicheÜberfetzung eines fchriftlich vorliegendenLiteraturwerkes handelt, unbedingt einer mündlichen Vermittlung bedarf unddaß es oft nur die Art diefer Vermittlung ift, die für den Übergang des fremdenErzählungsltoffes in das Volk entfcheidet. Als Beifpiel diene das Märlein vondem entmannten Sklaven, der feinen Herrn zur Entmannung zwingt <Nr. 43).Die fchriftlichen Überlieferungen der Araber erzählen die Gefchichte in allenEinzelheiten gleichförmig <daß der Name des Chalifen, unter deffen Herrfchaftfie fich zuträgt, geändert wird, fällt als geringfügigfter Nebenumftand nicht insGewicht),- fie ift ein fertiges, ausgeglichenes Werk. Diefes nach Europa zu ver*pflanzen, ift im Mittelalter zweimal verflicht worden,- aber in keinem Fallegelang es dem Interpreten, eine Form zu finden, die das Märlein den neuenVerhältnilTen angepaßt, die es gleichfam akklimatifiert hätte. Aber auch diedritte Verdolmetfchung, die von einem italienifchen Schriftfteller derRenaiffance»Zeit gefdiah, zeitigte nur literarifche Erfolge: das Volk verhielt fich ablehnend.Die Vermittler waren eben allefamt ungefchickt/ denn hätten fie der Erzählungeine Form zu geben verftanden, die ihm mundgerecht gewefen wäre, fo hättefie eine Verbreitung gewinnen müfTen wie die Gefchichte von Grifeldis.

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