Druckschrift 
2 (1801)
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

weiht. Dies hatten die Anführer für sich behalten, Aufder Reise erlaubte sich der Pöbel öftere Beleidungen gegendie Gefangenen. Die Soldaten suchten dies jedesmal zuverhindern; erhielten aber auch jedesmal Verweise vonihren Obern. Viele von den Gefangenen sagten zu denFreiwilligen:Wir wissen schlechterdings nicht, weswegenman uns verhaftet hat; wir haben uns während der Revo-lution immer als brave Bürger gezeigt. Zwei Advokatenverdienten besondere Aufmerksamkeit; sie waren nämlichunter der ehemaligen Regierung wegen ihrer Grundsätzevon Freiheit und Gleichheit in die Bastille gesperrt worden.Als sie Versailles nahe kamen, bemächtigte sich die Furchtdreier in einem solchen Grade, daß sie gleich Kindern wein-ten und schluchzten. Sie hatten Nachricht von den Ermor-dungen zu Paris erhalten, und zweifelten nicht im min-desten daran, daß ihnen ein gleiches Schicksal bevorstehe.Die Mörder des 2. Sept. erwarteten sie voller Ungedultin der Straße der Orangerie. Diese Straße war von eineraußerordentlichen Menschenmenge angefüllt. Kaum sind dieWagen in die Straße hineingefahren, so wird die Bedeckungderselben in Schlachtordnung gestellt. Zu gleicher Zeit werdendie Kanonen in den Park gebracht, und zwar durch dieThüre der Orangerie, welche augenblicklich geschlossen undstark besetzt wird. Nun stürzen sich die Rasenden über dieWagen her und ermorden die Gefangenen. Die mehrstenwerden mit Beilen auf das gräulichste zerhauen; einigeleisten muthvollen, ja verzweifelten Widerstand. Der Her-zog von Brissac, Gouverneur von Paris, vertheidigtesich länger als eine Viertelstunde mit beispielloser Ent-schlossenheit. Er hatte seinen großen Mantel fest um sich geschla-gen, und ein Ende desselben zu verschiedenenmalen um den