Druckschrift 
2 (1801)
Entstehung
Seite
116
Einzelbild herunterladen
 

116gesetzt wurde, rief man:Es lebe die Nationi-Zur Steuer der Wahrheit müssen wir es bekennen: dieseBösewichte verfuhren immer noch mit mehr Vorsicht undSchonung, als unsere nachherigen Revolutionstribunäle.Jedermann kennt die Geschichte des Ritters vonSaint=Meard, der am 2. Sept. gleichfalls in der Abteigefangen saß. Er erklärte:Ja, ich bin ein Königs-freund; aber nur aus Dankbarkeit gegen den Monarchen,der mir jederzeit gewogen war. Ich habe ihm zwanzig Jahregedient und das Ludwigskreutz erhalten. Undankbarkeit istmeinem Herzen völlig fremo. Weil aber das französischeVolk das Königthum abgeschafft hat, so füge auch ich mich,mit der größten Bereitwilligkeit nach dem Willen meinerMitbürger.Maillard, Vorsitzer des Blutgerichts in der Abtei,gab ihm zur Antwort:Wir richten nicht über Meinun-gen, sondern über Thaten. Euere Freimüthigkeit hat unsernganzen Beifall. Man soll euch nach eurer Wohnung beglei-ten, damit euch unterwegs kein Leid zugefügt werde.Eben dieser Maillard hatte gleichwohl die Grausam-keit, einer gewissen Anzahl von Schweitzern es geradezu an-zukündigen, daß er sie zum Tode schicke. Diese Unglückli-chen wußten, auf welche Weise man morde. Sie sankeneinander in die Arme, preßten sich gegenseitig an die Brust,und erhoben bei Annäherung ihres qualvollen Todes, einlautes Jammergeschrei. Maillard sagte zu ihnen:Machtes miteinander aus, wer zuerst hervortreten will. Drau-ßen vor der Thür schallte das wilde Geschrei: Zum Tode!Zum Tode! Einer der Jüngsten reißt sich aus der festver-ſchlungenen Gruppe los und ruft:Meine Brüder,folgt meinem Beispiel; seyd muthig und ent-