Mai bis August 1712.
1693
rcgnng und dir Aufstände davon abgeschickt worden sind, sollten nach seiner Ansicht die unbcthciligtcn Ortedahin oder an einen gelegenen Grcnzort abgehen, um die unruhigen Leute auf bessere Wege zu leiten. Er. für seine Person wolle gern zu Allem mitwirken, wie er denn ncucstcnS von seinem Hofe abermalige Weisungerhalten habe, nichts unversucht zu lassen, was die Trennung der Eidgenossenschaft verhindern und den Friedenbefördern könnte. Zuerst aber sollen die neutralen Orte mit den ernstesten Vorstellungen und Bitten anZürich und Bern gelangen, um sie vom Krieg ab- und auf den so nothwcndigen Frieden hinzulenken.Dazu komme, daß Luccrn uud Uri, so heilig sie entschlossen seien, den Frieden zu halte», gar leicht selbst inAufruhr gcrathcn könnten, da viele ihrer Angehörigen im Kriegsfälle die drei Orte nicht im Stiche lassenwollten. Der Botschafter wolle selbst noch Luccrn und Uri ersuchen, auf den päpstlichen Nuntius einzuwirken.Zürich und Bern eröffnen, hierüber nicht instruirt zu sein, sie wollen ihren Obern Mitthcilung machen,erklären aber auch, daß sie in Erwartung der Antwort nicht dafür garantircn könne», daß ihre Truppen sichnicht in Bewegung sezcn. Die unbcthciligtcn Orte finden nach langer Berathung für daS beste, mit einemBeschluß? noch innezuhalten und übernächtigen Rath zu nehmen. 21. Juli. (Die unbcthciligtcn Orte.)Landammann Zwicki berichtet, von Schwyz sei immer noch keine Erklärung eingegangen; indessen sei dieNachricht eingetroffen, daß Truppen von Schwpz, Untcrwaldcn und Zug die Bcrncr bei der Sinscrbrükc inden Frciämtern angegriffen und damit die Verwerfung der FricdcnSbcdingungcn genugsam an de» Taggelegt hätten. ES frage sich daher, ob die unbcthciligtcn Orte ihre Berathungcn, für die nunmehr wenigAussicht auf Erfolg sei, schließen wollen oder nicht. Man entschließt sich, noch einige Tage auszuharren undden Gang der Dinge zu gewärtigen. Der gewohnte Ausschuß wird zum französischen Botschafter abgeordnet,um sich mit ihm zu bcrathcn. 22. Juli. (Die unbcthciligtcn Orte.) Der französische Gesandte hat dieneutralen Stände zu sich berufen, da ihm von größter Wichtigkeit scheine, den lczten Schritt zu thun. DerZusammenstoß bei der Sinscrbrükc sei bekannt. Luccrn und Uri stehe» nach seiner Ansicht bald in hrllcrcmAufstände als die übrigen drei Orte; schon habe sich daö Landvolk von Luccrn wider seine Regierung auf-gelehnt und Schultheiß Schwptzcr gezwungen, mit ihm in'S Feld zu ziehen, und andern Unfug mehrbegangen. Gegen diese zu befürchtenden Empörungen habe er bereits früher Mittel und Wege vorzukehrenbeantragt, die aber sämmtlich auf Schwierigkeiten gestoßen waren. Indessen greife der Fcucrbrand derart umsich, daß in kurzer Zeit auch alle übrigen Stände in gleicher Lage sein werden. Er wünscht daher, daß dieGesandten von Luccrn und Uri, die nach Unterzeichnung des Fricdcnsactcö hier nichts mehr zu thun haben,nach Hause kehren; wenn noch Etwas zu unterhandeln sei, sollten Zürich und Bern solches ohne Zeitvcrlurstan die Hand nehmen und sich den Gcgcnwünschcn namentlich bezüglich der Herausgabe dcS Landfriedens von1531 und der Amnestie in etwas nähern. Den genannten zwei Ständen sollte bcinebcnS noch zu Gcmüthgeführt werden, daß der Kaiser aus Verlangen mit Hilfeleistung nicht zurükhaltcn werde, da dieses seinenAbsichten ganz entspreche. Der König von Frankreich aber wolle, daß dreizehn Kantone bleiben und bestehen,nnd könnte unter Umständen auch zu militärischem Vorgehen gegen die eidgenössische» Grenzen grnöthigtwerden. Die Gesandten von Zürich und Bern entgegnen auf dieses Anbringen, daö ihnen durch die neutralenOrte mitgethcilt wordcn, sie verdanken wiederholt diese beharrliche Mühe für Erhaltung dcS Friedens, alleindie Sache liege nicht mehr in ihren Händen, sondern bei ihren Obern, denen sie hicvon Bericht gebenwolle». Daraufhin wird beschlossen,' schriftlich sowohl an Zürich und Bern als auch sämmtlichc V Orte mitder eindringlichen Bitte zu gelangen, sie möchten doch die vcrhängnißvollc Lage und die drohende Gefahr einergänzlichen Zerrüttung des Vaterlandes reiflich überlegen und auf Mittel bedacht sein, welche das drohende